Die Liebe, die Jesus gepredigt hat, war radikal. Nicht, weil Liebe etwas Neues gewesen wäre – sondern weil seine Liebe jede bekannte Grenze sprengte. Menschen liebten schon immer ihre Familie, ihre Freunde, ihre eigene Gruppe. Das war normal. Aber Jesus ging weiter.
In Matthäus 5,46 fragt er provokant: „Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr dafür? Tun das nicht sogar die Zolleinnehmer?“
Zolleinnehmer standen ganz unten in der sozialen Rangordnung. Sie galten als Betrüger, Kollaborateure, Ausbeuter. Jesus sagt im Grunde: Wenn eure Liebe nicht weiter reicht als eure Sympathie – was unterscheidet euch dann eigentlich?
Liebe, die nur dort funktioniert, wo sie leichtfällt, ist keine besondere Liebe. Sie kostet nichts. Sie verändert nichts. Und sie spiegelt nicht das Herz Gottes wider.
Das Faszinierende an Jesus ist: Er blieb nicht bei großen Worten stehen. Er lebte, was er predigte. Er ging ans Kreuz für Menschen, die ihm feindlich gegenüberstanden. Für Menschen, die sich von Gott abgewandt hatten. Für uns.
Wenn wir wissen wollen, was wahre Liebe ist, müssen wir nur Jesus anschauen. Er selbst sagt:
„Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“ (Johannes 14,9) Und wie wird Gott beschrieben? Radikal klar: „Gott ist Liebe“ (1. Johannes 4,8).
Liebe ist nicht nur etwas, das Gott tut. Liebe ist, wer Gott ist. Das bedeutet: Alles, was Gott tut, alles, was er zulässt, alles, was er korrigiert oder manchmal auch verwehrt, ist von Liebe motiviert. Auch dann, wenn wir es nicht verstehen. Auch dann, wenn es schmerzt.
Gott korrigiert nicht aus Härte, sondern aus Liebe. Er zieht Grenzen nicht, um uns klein zu halten, sondern um uns näher zu sich zu ziehen. Sein Ziel ist immer dasselbe: Leben in Fülle (Johannes 10,10).
Wenn wir das wirklich begreifen würden, würden zwei Dinge passieren: Wir würden uns viel mutiger nach Gottes Willen ausstrecken. Und wir würden uns viel bereitwilliger verändern lassen.
Doch oft denken wir anders. Was Gott von mir will, ist schwer. Vergebung ist schwer. Liebe ist schwer. Ja. Das stimmt. Manches ist schwer.
Aber weißt du was? Es mag Menschen geben, die deine Vergebung nicht verdient haben – du aber hast inneren Frieden verdient. Zu vergeben kostet Kraft. Doch mit Hass, Groll und Bitterkeit durchs Leben zu gehen, kostet unendlich viel mehr.
Je ähnlicher wir Jesus werden, desto leichter fällt uns Liebe. Nicht, weil wir so stark sind, sondern weil der Heilige Geist in uns wirkt. Je mehr Raum wir ihm geben, desto mehr prägt er unser Denken, Reden und Handeln.
Am Ende steht eine Entscheidung. Du kannst an Verletzungen festhalten – oder dich freimachen lassen. Du kannst Groll nähren – oder Liebe Raum geben. Beides prägt dein Leben. Aber nur eines macht frei.
Kleine Herausforderung: Bitte Gott heute bewusst um die Kraft, einen Menschen mit seinen Augen zu sehen – besonders dort, wo dir Liebe schwerfällt.
Sei gesegnet!
„Vergebung befreit nicht den anderen – sie befreit dich.“ (Corrie ten Boom).


