Als ich Anfang 20 Christ wurde, hatte ich mein Leben ziemlich gegen die Wand gefahren. Ich war an einem Punkt, an dem der Glaube für mich mehr war als ein netter Gedanke – er war ein Rettungsanker. Ich wusste: Jesus lebt. An Karfreitag ist er für all den Mist gestorben, den wir in unserem Leben bauen. Und Ostern hat gezeigt: Das war nicht das Ende. Jesus ist auferstanden. Er hat die Macht des Bösen gebrochen und schenkt nicht nur Vergebung, sondern auch die Kraft für ein neues Leben.
Daran wollte ich festhalten. Und trotzdem konnte ich kaum glauben, dass Gott jemanden wie mich wirklich liebt.
Ich lebte mit einer ständigen Angst, etwas falsch zu machen. Ich stellte mir vor, wie Gott enttäuscht ist, wenn ich wieder falsche Entscheidungen treffe, wenn ich keine Zeit für die Bibel finde oder meine Gebete sich nur wie verzweifelte Hilferufe anhören. Vielleicht kennst du das: Dieser Glaube ist unglaublich anstrengend.
Vor meinem Glauben war ich ein Sklave meiner eigenen Muster. Ich tat Dinge, von denen ich wusste, dass sie mir nicht guttun – und kam trotzdem nicht raus. Aber jetzt, als Christ fühlte ich mich oft kein bisschen freier. Ich war immer noch ein Sklave. Diesmal nicht der Sünde, sondern der Angst. Vor Ablehnung. Vor dem Urteil. Vor Gott selbst.
Dann stieß ich auf einen Vers von Paul the Apostle, der mich tief getroffen hat: „Denn der Geist Gottes, den ihr empfangen habt, führt euch nicht in eine neue Sklaverei, in der ihr wieder Angst haben müsstet. Er hat euch vielmehr zu Gottes Söhnen und Töchtern gemacht. Jetzt können wir zu Gott kommen und zu ihm sagen: ‚Abba, lieber Vater!‘“ (Römer 8,15).
Genau das war mein Problem: Ich lebte, als wäre ich immer noch ein Sklave der Angst. Und dann steht da, dass ich einfach „Abba“ sagen darf. „Abba“ ist kein distanziertes, religiöses Wort. Es bedeutet „Papa“. Es ist persönlich, nah, vertraut. Es ist das Wort, das auch Jesus selbst im Garten Gethsemane benutzt hat.
Dieses eine Wort verändert alles. Es macht klar: Du bist kein geduldeter Gast bei Gott. Kein Angestellter auf Probe. Kein Projekt, das bewertet wird. Du bist ein Kind. Kinder müssen sich ihren Platz in der Familie nicht verdienen. Sie gehören dazu. Punkt.
Wenn Paulus davon spricht, dass wir Gott „Papa“ nennen, beschreibt er keine Leistung, sondern eine Beziehung. Es ist der Reflex eines Herzens, das verstanden hat: Ich gehöre dazu. Das bedeutet auch: Du kommst nicht zu Gott wie jemand, der Anerkennung sucht. Du kommst wie ein Kind, das längst angenommen ist.
Diese Wahrheit ist einfach – aber nicht leicht zu leben. Gerade wenn Angst, Selbstzweifel oder alte Denkmuster laut werden. Aber genau da beginnt Freiheit.
Herausforderung für heute: Nimm dir einen Moment Zeit und denke über Folgendes nach: Wo lebst du noch so, als hätte die Angst das letzte Wort, anstatt Gott anzunehmen? Wo fällt es dir schwer anzunehmen, dass Gott dein Vater ist, der dich liebt – und kein Racheengel, der nur darauf wartet, dass du einen Fehler machst?
Geh heute ans Kreuz und leg dort deine Ängste ab. Tausche sie gegen die Freiheit eines Kindes, die Gott dir schenken möchte. Er liebt dich auch, wenn du Fehler machst, wenn du fällst, wenn du etwas (noch nicht) kannst!
Du bist kein Sklave mehr. Du bist ein Kind.
Sei gesegnet!
„Jeder Mensch trägt einen Ort in sich, an dem er einfach sein darf.“ – Hermann Hesse


