Frau sitzt im Restaurant mit einem Buch
Jürgen Ferrary
30. Juli 2026

God is good!“ (Gott ist gut) „All the time!“ (Zu jeder Zeit) „All the time!“ „God is good!“ Diesen Wechselruf habe ich schon oft in englischsprachigen Gottesdiensten erlebt. Und ehrlich gesagt: Wenn das Leben gerade rundläuft, fällt die Antwort leicht. Doch was ist, wenn das Leben aus der Bahn gerät?

Ist Gott auch dann gut, wenn der Arzt eine schlimme Diagnose stellt? Wenn die Ehe zerbricht? Wenn du unter Depressionen leidest? Wenn Gebete scheinbar unbeantwortet bleiben? Wenn Gott schweigt?

Das sind keine theoretischen Fragen. Das sind die Fragen, die unser Gottesbild auf die Probe stellen. Die Bibel antwortet erstaunlich klar: „Denn der HERR ist gut. Seine Gnade hört niemals auf, und seine Treue gilt für immer.“ (Psalm 100,5)

Auffällig ist: Der Psalm sagt nicht, dass das Leben immer gut ist. Er sagt, dass Gott gut ist. Das ist ein großer Unterschied. Denn Gottes Güte hängt nicht von meinen Umständen ab, sondern von seinem Wesen. Situationen verändern sich. Gefühle schwanken. Menschen enttäuschen uns. Aber Gott bleibt derselbe.

Ich gebe zu: Es gibt Zeiten, in denen ich Gott überhaupt nicht verstehe. Warum lässt er Krankheiten zu? Warum greift er manchmal scheinbar nicht ein? Warum erleben manche Menschen so viel Leid?

Ich kenne auf diese Fragen nicht immer eine Antwort. Aber eines habe ich gelernt: Alles in meinem Glauben steht und fällt mit meinem Bild von Gott. 

Wenn ich glaube, Gott sei streng, unberechenbar oder gleichgültig, werde ich ihm kaum vertrauen. Ich werde vieles selbst kontrollieren wollen und ständig in Sorge leben.

Wenn ich dagegen davon überzeugt bin, dass Gott gut ist – selbst dann, wenn ich seine Wege nicht verstehe –, werde ich immer wieder seine Nähe suchen.

Vor wenigen Tagen waren wir in einem Gottesdienst, in dem die Kinder ihre Abschlussfeier der Vacation Bible School gestalteten. Das zentrale Thema der Woche war Psalm 23. „Der HERR ist mein Hirte.“

Mir fiel dabei etwas auf. David beginnt den Psalm nicht mit den Schafen. Nicht mit den Gefahren. Nicht mit den grünen Auen. Er beginnt mit dem Hirten. Denn alles entscheidet sich an der Frage:

Wie ist mein Hirte? Jesus greift dieses Bild später auf und sagt von sich: „Ich bin der gute Hirte“ (Johannes 10,11). Das gefällt unserem Stolz vielleicht nicht besonders, aber wir sind tatsächlich ein bisschen wie Schafe.

Wir sehen oft nur den nächsten Schritt. Wir wissen nicht, was morgen geschieht. Wir sind schnell von Sorgen, Erfolg, Geld oder Problemen gefangen. Und manchmal merken wir erst dann, dass wir einen Hirten brauchen, wenn uns der „Wolf“ gegenübersteht.

Der entscheidende Unterschied ist: Ein Schaf folgt seinem Hirten, weil es ihm vertraut. Genau dazu lädt Jesus auch uns ein. Nicht weil wir alles verstehen. Sondern weil wir wissen dürfen, wer uns führt.

Und dieser Hirte ist gut. Immer. Nicht weil jeder Weg leicht wäre. Sondern weil sein Wesen unveränderlich gut ist.

Herausforderung für heute: Welches Bild trägst du tief in deinem Herzen von Gott? Ist er für dich vor allem streng, unberechenbar und weit weg? Oder glaubst du wirklich, dass Jesus der gute Hirte ist – auch dann, wenn du seinen Weg gerade nicht verstehst?

Vielleicht ist Vertrauen nicht die Folge davon, dass wir alles begreifen. Vielleicht beginnt Vertrauen genau dort, wo wir Gottes Herz höher achten als unsere eigenen Antworten.

Sei gesegnet!

 Glaube ist der Vogel, der singt, obwohl die Nacht noch dunkel ist. — Rabindranath Tagore

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