Mann trainiert

Glaube braucht Training

Jürgen Ferrary
25. März 2026

Mein Sohn hat seit Wochen einen Wunsch: Er will ins Gymnasium. Gar nicht so einfach – mit 15 ist das Angebot begrenzt, und oft muss man sich gleich für zwei Jahre binden. Trotzdem finde ich die Idee gut. Denn egal, worum es geht: Nur wer trainiert, macht Fortschritte.

Wenn du einen sportlichen Körper willst, musst du trainieren. Wenn du besser in deinem Sport werden willst, musst du üben. Wenn du ein Instrument lernen willst, musst du dranbleiben. Wenn du eine Sprache lernen willst, musst du regelmäßig lernen. Das versteht jeder.

Aber beim Glauben? Da habe ich manchmal den Eindruck, dass wir plötzlich anders denken. Als würde hier ein anderer Maßstab gelten. „Ich habe Jesus in mein Leben aufgenommen – das reicht doch.“ Und ja: Das stimmt – und stimmt gleichzeitig nicht.

Es stimmt, weil deine Rettung nicht von deiner Leistung abhängt. Wenn Jesus dein Herr ist, bist du Gottes Kind. Punkt. Aber das ist nur die eine Seite.

Die andere ist: Du lebst immer noch hier. Und Gott hat mehr mit deinem Leben vor. Paulus schreibt:

„Deren (Apostel, Propheten, Pastoren, Lehrer) Aufgabe ist es, die Heiligen für ihren Dienst zu schulen. So soll der Leib von Christus aufgebaut werden. Schließlich sollen wir alle vereint sein im Glauben und in unserer Kenntnis von Gottes Sohn. Wir sollen zu vollendeten Menschen werden und erwachsen genug, Christus in seiner ganzen Fülle zu erfassen.“ (Epheser 4,12–13 BB).

Zwei Dinge stechen heraus:

1. Jesus besser kennenlernen

Beziehung wächst nicht automatisch. Kennst du diesen Satz: „Wir sind schon so lange zusammen – und trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, ich kenne dich gar nicht“? Das passiert, wenn man nebeneinander lebt, aber sich nicht wirklich begegnet. Und im Glauben?

Wie gut kennst du Jesus wirklich? Sein Herz? Seinen Charakter? Das, was ihn freut – und das, was ihn traurig macht? Das passiert nicht nebenbei. Das passiert, wenn du Zeit investierst.

2. Jesus ähnlicher werden

Christsein ist kein Hobby. Es ist Veränderung. Gott hat dir eine neue Identität geschenkt. Du bist sein Kind. Aber in dieses neue Leben musst du hineinwachsen. Wie jemand, der plötzlich als Prinz in ein Schloss kommt – er ist es schon, aber er muss erst lernen, so zu leben.

Das bedeutet: Altes loslassen. Neues einüben. Geduld. Liebe. Vergebung. Charakter.

Und genau hier schließt sich der Kreis zum Gym. Wenn mein Sohn regelmäßig trainiert, wird sich sein Körper verändern. Nicht über Nacht. Aber sichtbar. Und genauso sollte sich unser Leben verändern, wenn wir mit Jesus unterwegs sind.

Nicht perfekt. Aber Schritt für Schritt. Die ehrliche Frage ist: Sehen wir diese Veränderung? Oder leben wir unseren Glauben wie ein Baby – immer empfangend, immer wartend, dass Gott alles für uns macht?

Dann entgeht uns so viel. Denn Gott will nicht nur für dich sorgen. Er will dich verändern.

Herausforderung für heute: Schau einmal ehrlich zurück: Wie hat sich dein Leben in den letzten Jahren verändert? Bist du Jesus ähnlicher geworden? Frag vielleicht sogar Menschen, die dich gut kennen.

Und dann ganz konkret: Wo brauchst du gerade „Training“? Im Gym stellen sich Menschen vor den Spiegel und schauen, was sich verändert hat. Vielleicht sollten wir das geistlich auch tun: ehrlich hinschauen – dankbar für das, was gewachsen ist, und bereit für das, was noch wachsen darf.

Und dann: dranbleiben (Christsein ist mehr als nur ein Zweijahresvertrag) …

Sei gesegnet.

„Wir sind das, was wir wiederholt tun. Exzellenz ist daher keine Handlung, sondern eine Gewohnheit“ (Aristoteles).

Mehr Gedanken

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner
Warning