Was ist Liebe? Wie definierst du sie? Wir benutzen dieses Wort inflationär. Wir lieben Eiscreme. Wir lieben bestimmte Farben. Wir lieben ein Outfit. Ein Restaurant „liebt es“, Die Bahn „liebt“ uns. Und dann sagen wir: Wir lieben Gott.
Aber was bedeutet das eigentlich? Wenn wir nicht wissen, was Liebe wirklich ist, laufen wir Gefahr, ein Gefühl mit einer Haltung zu verwechseln – oder Bequemlichkeit mit Hingabe.
In der Bibel spricht Jesus in Matthäus 24 über die Zeit vor seiner Wiederkunft. Seit seiner Auferstehung haben Generationen gemeint: Jetzt ist es so weit. Und irgendwann wird es tatsächlich eine Generation geben, die recht hat. Ob wir es sind oder nicht, weiß niemand. Aber Jesu Worte bleiben aktuell.
Er nennt zwei Entwicklungen, die auffallen werden. Erstens: „Viele werden verführt werden“ (Mt 24,5). Verwirrung. Falsche Lehren. Verdrehte Wahrheiten.
Wenn ich unsere Zeit betrachte, sehe ich genau das: unzählige Meinungen, Ideologien, Halbwahrheiten. Jeder definiert Wahrheit neu. Selbst im christlichen Kontext wird vieles weichgespült oder an den Zeitgeist angepasst.
Deshalb ist es entscheidend, dass wir unsere „Nase in die Bibel stecken“. Nicht in Trends. Nicht in Schlagzeilen. Sondern in Gottes Wort. Sonst werden wir schneller mitgerissen, als uns lieb ist.
Zweitens sagt Jesus: „Die Gesetzlosigkeit wird überhandnehmen, und die Liebe wird bei vielen erkalten“ (Mt 24,12).
Das ist vielleicht noch ernster. Nicht nur Irrtum nimmt zu – Liebe nimmt ab.
Und wenn wir ehrlich sind, sehen wir das. Streit in Familien. Spaltungen in Gemeinden. Rechthaberei in theologischen Fragen. Egoismus im frommen Gewand.
Ja, wir sollen für die Wahrheit einstehen. Ja, Gottes Maßstäbe dürfen nicht relativiert werden. Aber Wahrheit ohne Liebe wird hart. Und Liebe ohne Wahrheit wird beliebig. Beides gehört zusammen.
Das große Kennzeichen von Christen ist nicht Rechthaben – sondern Liebe. In Römer 12,21 heißt es: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Das ist radikal.
Diese Welt ist voller Härte. Voller Spott. Voller Aggression. Und Gottes Antwort lautet nicht: „Schlag härter zurück.“ Sondern: „Antworte mit Gutem.“ Liebe ist keine Schwäche. Sie ist geistliche Stärke unter Kontrolle.
Sie bedeutet, dem Menschen freundlich zu begegnen, der über mich redet. Geduldig zu bleiben, wenn ich missverstanden werde. Wohlwollend zu handeln, selbst wenn ich es nicht „verdient“ finde. Das klingt nicht spektakulär. Aber es ist revolutionär.
Liebe, wie Gott sie definiert, ist kein romantisches Kribbeln. Sie ist eine Entscheidung. Eine Ausrichtung des Herzens. Eine Frucht des Geistes. Und sie wird gerade dann sichtbar, wenn sie herausgefordert wird.
Vielleicht leben wir in einer Zeit großer Verwirrung. Vielleicht erleben wir tatsächlich, dass Liebe in vielen Herzen kälter wird. Umso wichtiger ist es, dass sie in unserem nicht erkaltet.
Nicht angepasst.
Nicht aggressiv.
Nicht gleichgültig.
Sondern klar in der Wahrheit – und warm im Herzen.
Wir werden uns in den nächsten Tagen gemeinsam anschauen, wie Gott Liebe definiert – und wie wir sie empfangen und weitergeben können. Denn wir können nur weitergeben, was wir selbst von ihm empfangen haben.
Kleine Herausforderung für heute: Gibt es jemanden, dem du innerlich mit Kälte begegnest? Bete heute bewusst für diese Person – und tu einen konkreten, guten Schritt auf sie zu. Nicht, weil sie es verdient. Sondern weil Christus dich zuerst geliebt hat. Liebe ist kein Gefühl, das kommt und geht. Sie ist eine Entscheidung, die bleibt.
Sei gesegnet!
„Dunkelheit kann Dunkelheit nicht vertreiben; das kann nur Licht. Hass kann Hass nicht vertreiben; das kann nur Liebe“ (Martin Luther King Jr.).


