Ein Soldat hält Jesus den Essigschwamm hin

Er hat Durst – und hält sein Wort

Jürgen Ferrary
11. April 2026

Je mehr ich mich mit Jesus beschäftige, desto mehr fasziniert mich, wie präzise und detailreich sein Leben schon Jahrhunderte vor seiner Geburt angekündigt wurde. Johannes schreibt: „Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war, und um zu erfüllen, was in der Schrift vorausgesagt war, sagte er: »Ich habe Durst.« Sie tauchten einen Schwamm in ein Gefäß mit Weinessig und steckten ihn auf einen Ysopzweig, den sie an seine Lippen hielten“ (Johannes 19,28–29 NLB). Die entsprechenden Hinweise finden sich unter anderem in Psalm 22 und Psalm 69. Faszinierend.

Noch am Morgen hatte Jesus ein Getränk abgelehnt (Matthäus 27,34). Jetzt aber, kurz vor seinem Tod, bittet er darum. Nicht, um den Schmerz zu lindern, sondern um die Schrift zu erfüllen. Selbst in diesem Moment denkt er nicht zuerst an Erleichterung, sondern daran, dass Gottes Wort bis ins Detail wahr wird.

Dabei musste ich an ein Gleichnis (Lukas 16,19-31) denken, das Jesus einmal erzählt hat: von dem armen Lazarus und dem reichen Mann. Der Reiche leidet nach seinem Tod so sehr, dass er sich nichts sehnlicher wünscht als einen einzigen Tropfen Wasser – und selbst der wird ihm verwehrt. Ein Bild für die Tiefe von Gottesferne.

Wenn Jesus nun am Kreuz sagt: „Ich habe Durst“, dann ist das mehr als ein körperliches Bedürfnis. Es berührt etwas von dieser existenziellen Tiefe des Leidens. Die Kreuzigung war kein symbolischer Akt, sondern brutale Realität. Und Jesus geht diesen Weg bewusst. Er ist bereit, das volle Maß an Schmerz auf sich zu nehmen.

Was mich dabei besonders trifft, ist seine Konsequenz. Jesus lebt nicht nur Liebe – er lebt auch Treue bis ins kleinste Detail. Er weiß, dass Psalm 69 davon spricht, dass dem leidenden Gerechten Essig zu trinken gegeben wird, und selbst in seinen letzten Momenten sorgt er dafür, dass sichtbar wird: Gottes Geschichte ist verlässlich.

Und dann schaue ich auf mein Leben. Jemand bittet mich um Hilfe – und ich prüfe zuerst meinen Kalender. Ich soll mit anpacken – und hoffe, dass es nicht zu anstrengend wird. Jemand bittet mich, für ihn zu beten – und ich habe es wenige Minuten später schon wieder vergessen.

Was für ein Kontrast.

Jesus nimmt das Schlimmste auf sich. Nicht halbherzig, nicht widerwillig, sondern entschlossen und treu. Das ist Liebe. Aber es ist noch mehr: Es ist ein Beweis dafür, dass Gott zu seinem Wort steht. Jesus kam nicht, um die Verheißungen aufzulösen, sondern um sie zu erfüllen. In seinen letzten Augenblicken zeigt er: Gott meint, was er sagt.

Und genau das ist die gute Nachricht für dich und für mich. Es geht nicht darum, dass wir uns schlecht fühlen, weil wir oft untreu sind. Es geht darum, dass Jesus treu ist. Dass er hält, was er verspricht. Dass seine Zusagen nicht wackeln, auch wenn wir es tun.

Deshalb ist es so entscheidend, zu wissen, was Gott wirklich versprochen hat – und nicht das, was wir uns vielleicht wünschen würden. Wer Gottes Wort kennt, entdeckt: Seine Treue trägt. Damals. Heute. Und auch morgen.

Wenn Jesus am Kreuz sagt: „Ich habe Durst“, dann zeigt sich darin nicht nur sein Leiden, sondern auch seine unerschütterliche Treue. Eine Treue, auf die du dein Leben bauen kannst.

Kleine Herausforderung: Nimm dir in den nächsten Tagen ganz bewusst Zeit, eine konkrete Verheißung Gottes zu entdecken – und halte daran fest, auch wenn du sie noch nicht erfüllt siehst.

Sei gesegnet.

„Treue bedeutet nicht, dass alles leicht ist, sondern dass man bleibt, auch wenn es schwer wird.“ (Unbekannt).

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