Früher hatte ich eher Angst, mich Gott zu nähern. Mein inneres Bild von ihm war wie von einem Chef, dessen Tür zwar offensteht, bei dem man aber trotzdem das Gefühl hat, zu stören, wenn man anklopft. Einer, der vielleicht genervt hochschaut und denkt: „Du schon wieder?“ Dazu kam dieses ständige schlechte Gewissen.
Ich habe mir damals wirklich Mühe gegeben, so zu leben, wie ich dachte, dass es Gott gefallen würde. Und ja, im Vergleich zu meinem Leben davor habe ich echte Fortschritte gemacht. Aber tief in mir wusste ich: Es reicht nicht. Es wird nie reichen. Ich werde Gottes Ansprüchen nicht gerecht.
Also bin ich oft auf Abstand geblieben. Persönlich wurde es im Gebet selten. Meist bin ich nur dann zu Gott gegangen, wenn mir das Wasser bis zum Hals stand.
Der Schreiber des Hebräerbriefes zeichnet ein völlig anderes Bild. In Bibel, im Hebräerbrief, heißt es:
„Lasst uns also unerschütterlich an unserem Bekenntnis zu Jesus Christus festhalten, denn in ihm haben wir einen großen Hohenpriester, der vor Gott für uns eintritt. Er, der Sohn Gottes, ist durch den Himmel bis zu Gottes Thron gegangen. Doch er gehört nicht zu denen, die unsere Schwächen nicht verstehen und zu keinem Mitleiden fähig sind. Jesus Christus musste mit denselben Versuchungen kämpfen wie wir, doch im Gegensatz zu uns hat er nie gesündigt. Er tritt für uns ein, daher dürfen wir voller Zuversicht und ohne Angst vor Gottes Thron kommen. Gott wird uns seine Barmherzigkeit und Gnade zuwenden, wenn wir seine Hilfe brauchen“ (Hebräer 4,14–16).
Das ist eine völlig andere Haltung. Nicht vorsichtiges Anklopfen mit schlechtem Gewissen, sondern ein mutiges Kommen. Nicht, weil wir alles im Griff haben, sondern weil Jesus für uns eintritt.
Diese Zuversicht hängt nicht davon ab, ob deine Woche gut lief. Nicht davon, ob du „geistlich genug“ bist oder ob sich deine Gebete reif und formuliert anhören. Der Grund liegt woanders: Der Weg ist frei.
Als Jesus am Kreuz starb, zerriss der Vorhang im Tempel (Matthäus 27,50–51). Das war mehr als ein symbolischer Moment. Es bedeutete: Die Trennung zwischen Gott und Mensch ist aufgehoben. Der Zugang ist offen. Der Thron Gottes ist kein Ort der Abweisung, sondern ein Thron der Gnade.
Das heißt ganz konkret: Wenn du zu Gott kommst, bekommst du nicht erst dann Hilfe, wenn du dich verbessert hast. Du bekommst Hilfe in deiner Not. Jetzt.
Der König auf dem Thron ist gleichzeitig dein Hohepriester. Er kennt deine Schwäche von innen heraus. Du bist für ihn kein Störfaktor. Du bist eingeladen.
Deshalb darfst du mutig zu ihm kommen. Das ist keine Arroganz, sondern Vertrauen. Mutig, weil du weißt, dass Gott dich nicht wegschickt. Mutig, weil du kein Bittsteller bist, der sich etwas verdienen muss, sondern ein Kind, das willkommen ist. Mutig, weil Gott dich annimmt, wie du bist – nicht erst dann, wenn du dein Leben sortiert hast.
Und genau darin liegt das Entscheidende: Du musst dich nicht verändern, um zu Jesus zu kommen. Du darfst zu Jesus kommen, und das wird dich verändern. Denn echte Liebe lässt uns nie gleich.
Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem sich der Kreis schließt: Gott ist nicht der genervte Chef hinter einer halboffenen Tür. Er ist der Vater, der dich erwartet – nicht widerwillig, sondern mit offenen Armen.
Kleine Herausforderung: Nimm dir heute bewusst ein paar Minuten Zeit und frage dich: Wo bleibe ich noch vor Gottes Tür stehen, obwohl sie längst offen ist? In welchen Bereichen halten mich Scham, Angst oder Zweifel davon ab, zu ihm zu kommen – obwohl genau dort seine Gnade auf mich wartet?
Sei gesegnet!
„Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern die Entscheidung, dass etwas anderes wichtiger ist als Angst.“ – Ambrose Redmoon


