Er ist 78 Jahre alt und hat sich für Demokratie in Hongkong eingesetzt. Nun sitzt der Medienunternehmer und Aktivist Jimmy Lai im Gefängnis – verurteilt zu 20 Jahren Haft. Einzelhaft.
23 Stunden und 10 Minuten am Tag sitzt er allein in seiner kargen Zelle. 50 Minuten darf er draußen im Hof verbringen – ebenfalls allein. Nur wenige Male im Monat erhält er kurz Besuch. Sein Sohn, der aus Angst vor eigener Verhaftung im Exil lebt, sagte einmal: „Das ist ein Todesurteil“.
Als ich davon las, musste ich an einen Ort denken, den ich einmal besucht habe: das ehemalige Stasi-Gefängnis „Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen“. Ein ehemaliger Häftling führte unsere Gruppe durch die Anlage. Er zeigte uns die Zellen, die Verhörräume und den kleinen Hof, in dem Gefangene ebenfalls etwa eine Stunde am Tag verbringen durften – von Mauern umgeben, oben ein Gitter statt Himmel.
Er erzählte auch von den Methoden der Staatssicherheit. Gefangene mussten in einer bestimmten Position schlafen: Augen zur Tür, Hände über der Decke. Drehte sich jemand im Schlaf, wurde das Licht eingeschaltet und der Gefangene musste sich wieder korrekt hinlegen. Dazu kamen endlose Verhöre, psychischer Druck, Isolation.
Dieser Mann wusste, was es bedeutet, wenn man seiner Freiheit beraubt wird. Und er wusste auch, wie es sich anfühlt, wenn sich eines Tages die Zellentür öffnet.
Als ich von Jimmy Lai las, kamen diese Bilder wieder hoch. Ein furchtbares Leben. Und doch gibt es etwas Erstaunliches: Lai ist Christ. Sein Sohn sagte im Interview, das ich las, sinngemäß über ihn: „Er ist ein Gefangener, aber sein Geist und seine Seele sind frei.“
Das klingt zunächst widersprüchlich. Doch die Bibel beschreibt den Menschen als mehr als nur einen Körper. Sie spricht davon, dass wir aus Körper, Seele und Geist bestehen. Unser Körper kann eingesperrt werden. Unsere Bewegungsfreiheit kann man uns nehmen.
Aber es gibt noch eine andere Gefangenschaft – eine, die viel tiefer reicht. Die Bibel nennt sie Sünde. Damit ist nicht nur gemeint, dass wir Fehler machen. Sünde beschreibt eine innere Trennung von Gott. Eine Macht, die Menschen bindet: an Schuld, an Angst, an Bitterkeit, an zerstörerische Gewohnheiten oder an die ständige Suche nach Anerkennung.
Viele Menschen sind äußerlich frei – sie können reisen, entscheiden und tun, was sie möchten – und sind doch innerlich gefangen.
Gefangen in Gedanken, die sie kleinhalten.
Gefangen in Schuld, die sie nicht loswerden.
Gefangen in Mustern, aus denen sie nicht herausfinden.
Das ist geistliche Gefangenschaft. Und genau hier setzt Jesus an. Im Johannesevangelium 8,36 sagt er: „Wenn euch also der Sohn frei macht, dann seid ihr wirklich frei.“
Jesus spricht von einer Freiheit, die tiefer geht als politische Freiheit. Als er am Kreuz starb, nahm er Schuld und Trennung zwischen Gott und Mensch auf sich. Er öffnete eine Tür, die wir selbst nie hätten aufstoßen können.
Wer ihm seine Schuld bringt und ihm vertraut, erlebt etwas Erstaunliches: Die inneren Ketten beginnen zu fallen.
Vergebung statt Schuld.
Frieden statt Angst.
Hoffnung statt Resignation.
Das ist die Freiheit, von der Jesus spricht – eine Freiheit, die selbst Gefängnismauern nicht zerstören können. Menschen wie Jimmy Lai erinnern uns daran: Ein Mensch kann körperlich gefangen sein und doch innerlich frei. Und genauso kann ein Mensch äußerlich frei leben und innerlich gefangen bleiben.
Die tiefste Freiheit beginnt nicht mit offenen Gefängnistüren. Sie beginnt mit einem offenen Herzen.
Kleine Herausforderung: Nimm dir heute einen Moment der Stille und frage dich ehrlich:
Gibt es etwas in deinem Leben, das dich innerlich gefangen hält – Schuld, Angst, eine Gewohnheit oder eine Sucht? Bring genau das im Gebet zu Jesus. Bitte ihn um die Freiheit, die nur er schenken kann.
Sei gesegnet!
„Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen“ (George Orwell).


