Mann sitzt am Fenster

Du bist nicht allein

Jürgen Ferrary
29. Mai 2026

Jesus hat einmal gesagt: „Ich bin immer bei euch bis ans Ende der Zeit“ (Matthäus 28,20). Er sagte das nach dem Kreuz. Nach dem Leid. Nach der Auferstehung. Eigentlich müssten wir ihm doch vertrauen können. Und trotzdem gibt es Momente, in denen sich Gottes Nähe unglaublich weit weg anfühlt.

Wo ist Gott, wenn ich mich allein fühle? Wo ist er, wenn Sorgen mich erdrücken? Wenn plötzlich Rechnungen auftauchen, von denen ich nicht weiß, wie ich sie bezahlen soll? Wenn der Arzt mit ernster Stimme spricht? Wenn ich morgens kaum noch die Kraft habe, meine Nachrichten zu öffnen, weil gefühlt eine schlechte Nachricht die nächste jagt?

Gerade in solchen Momenten lernen viele Menschen beten. Vielleicht nicht trotz der Krise – sondern genau wegen ihr. Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, merke ich: Ich bin schon durch einige Täler gegangen. Durch Tunnel. Durch Krisen, die sich endlos angefühlt haben.

Und was sich dabei verändert hat, ist mein Gebet. Früher habe ich vor allem gegen Probleme gebetet. Gegen die Krise. Gegen die Angst. Gegen den „Goliath“, der sich vor mir aufgebaut hatte.

Und ja – ich habe oft erlebt, wie Gott Türen geöffnet hat. Wie er eingegriffen hat. Wie plötzlich Lösungen da waren, mit denen ich niemals gerechnet hätte. Aber heute bete ich anders. Heute bete ich nicht mehr nur darum, dass Gott meine Umstände verändert. Ich bete darum, dass er mein Vertrauen stärkt.

Dabei helfen mir besonders diese Worte aus dem Hebräerbrief: „Denn Gott hat uns versprochen: ›Ich lasse dich nicht im Stich, nie wende ich mich von dir ab.‹ Deshalb können wir voller Vertrauen sagen: ›Der Herr hilft mir, ich brauche mich nicht zu fürchten‹“ (Hebräer 13,5–6).

Genau darum bete ich heute oft: Dass Gott mir hilft, mitten im Chaos Ruhe zu finden. Dass er meinen Tunnelblick löst, wenn ich nur noch das Problem anstarre. Dass er mich daran erinnert, dass seine Treue größer ist als meine Angst. Denn wenn alles um mich herum wankt, bleibt Gott derselbe.

Und manchmal verändert diese Erinnerung nicht sofort meine Situation – aber sie verändert mich. Wenn ich mich daran erinnere, dass Gott vertrauenswürdig ist, löst sich oft auch meine innere Starre. Mein Kopf wird wieder frei. Hoffnung bekommt wieder Raum.

Besonders schwer finde ich oft die Zeit zwischen der schlechten Nachricht und Gottes Eingreifen. Dieses Dazwischen. Das Warten. Das Nichtwissen. Die offenen Fragen.

Und genau dort bete ich inzwischen oft: „Gott, hilf mir, deine Gegenwart wahrzunehmen. Zeig mir, wie du gerade wirkst – auch wenn ich es noch nicht sehen kann.“

Manchmal merke ich dann plötzlich: Gott kümmert sich längst um Dinge, von denen ich dachte, ich wäre mit ihnen allein. Nicht immer spektakulär. Nicht immer sofort sichtbar. Aber treu.

Und manchmal schenkt mir das nicht sofort die Lösung – sondern die Kraft, weiterzugehen. Denn ich erinnere mich daran: Gott ist treu. Auch dann, wenn meine Gefühle etwas anderes behaupten. Auch dann, wenn ich noch mitten im Tunnel stecke.

Und manchmal besteht Glaube genau darin, ihm trotzdem zu vertrauen.

Herausforderung für heute: Wo richtest du deinen Blick gerade nur auf das Problem?
Und was würde sich verändern, wenn du Gott heute bewusst zutraust, dass er auch im „Dazwischen“ schon wirkt? Vielleicht musst du heute nicht sofort eine Lösung finden. Vielleicht reicht erstmal Vertrauen.

Sei gesegnet!

„Du magst nie verstehen, dass JESUS alles ist, was Du brauchst – bis JESUS alles ist, was Du hast!“– Corrie Ten Boom

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