Mir hat einmal jemand gesagt: „Wenn du Gottes Willen für dein Leben erkennen willst, dann schau dir an, worin du gut bist.“ Dieser Satz hat mich wachgerüttelt. Denn mal ehrlich: Warum sollte Gott mir Gaben, Fähigkeiten, Leidenschaften und Erfahrungen schenken, wenn er nicht möchte, dass ich sie einsetze? Alles andere wäre Verschwendung.
Der Pastor sagte damals noch einen Satz hinterher, der sich mir eingeprägt hat: „Don’t waste your shape – verschwende nicht deine Prägung.“ Ich war zu dieser Zeit Teil einer internationalen, englischsprachigen Gemeinde. Dort wurde das Wort SHAPE gerne erklärt – jeder Buchstabe steht für einen Bereich unseres Lebens:
Spiritual Gifts – geistliche Gaben
Heart – Leidenschaften
Abilities – Fähigkeiten
Personality – Persönlichkeit
Experiences – Erfahrungen
All das zusammen macht dich aus. Deine Prägung. Deine „Form“. Und sie ist einzigartig.
Wenn du beginnst zu entdecken, wie Gott dich geprägt hat, bekommst du Richtung für dein Leben. Paulus schreibt an eine Gemeinde in der heutigen Türkei: „In Christus Jesus sind wir Gottes Meisterstück. Er hat uns geschaffen, damit wir das tun, was wirklich gut ist – gute Werke, die er für uns vorbereitet hat“ (Epheser 2,10).
Dieser Satz hat Sprengkraft. Das griechische Wort für „Meisterstück“ lautet poema – daher kommt unser Wort „Gedicht“. Du bist Gottes Gedicht. Sein Kunstwerk. Unverwechselbar.
Aber: Einmalig zu sein reicht nicht. Einmalig wird dein Leben erst dann, wenn du bereit bist, deine Einmaligkeit einzusetzen.
Gott hat dich nicht nur schön gedacht, sondern wirksam. Schon bevor du geboren wurdest, hat er Werke vorbereitet, die genau du tun sollst. Nicht irgendwer. Nicht besser. Nicht frommer. Sondern du – mit deiner Geschichte, deinen Stärken, deinen Brüchen.
Ich habe lange gedacht, mein Leben sei alles andere als aufregend. Die Wahrheit war: Ich habe vieles von dem, was Gott mir gegeben hat, entweder gar nicht eingesetzt – oder mit falschen Motiven.
Musik zum Beispiel. Die habe ich schon als junger Mann gemacht, in einer Rockband. Damals ging es um Anerkennung, um Bühne, um Ego. Musik für Gott ist etwas völlig anderes. Erfolg ist möglich – aber nicht das Ziel. Der Fokus verschiebt sich vom Ich zum Du.
Ich weiß: Eines Tages werde ich vor Gott stehen. Und ich glaube nicht, dass er mich fragen wird, wie erfolgreich ich war. Sondern eher: „Was hast du mit dem gemacht, was ich dir anvertraut habe?“
Wir sind nicht gerettet, um uns selbst zu verwirklichen – sondern um zu dienen. Berufung heißt: Das einzusetzen, was Gott mir gegeben hat, damit andere leben können. Oder wie Petrus es schreibt: „Gott hat jedem von euch besondere Fähigkeiten gegeben; setzt sie füreinander ein“ (1. Petrus 4,10).
Erfüllung bedeutet, der Mensch zu sein und das Leben zu leben, das Gott sich für dich gedacht hat.
Herausforderung für heute: Nimm dir 10 Minuten Zeit und beantworte ehrlich diese Fragen:
Worin bin ich gut?
Was mache ich gern?
Wofür brenne ich – und was bremst mich aus?
Worin bestätigen mich andere?
Wo könnte Gott genau mich gebrauchen?
Sei gesegnet!
„Sei du selbst; alle anderen gibt es schon“ (Oscar Wilde).


