Ein Mann hilft einem Verletzten

Der Retter, den wir nicht erwarten

Jürgen Ferrary
1. Januar 2026

In unserem Weihnachtsmusical erzählte Jesus an einer Stelle das Gleichnis vom barmherzigen Samariter – aber übertragen in unsere heutige Lebenswelt. Stell dir vor: Ein Fan von Union Berlin gerät in einen Unfall, bleibt verletzt am Straßenrand liegen, ausgeraubt, hilflos, bloßgestellt.

Dann kommen ein Priester und ein Pastor vorbei. Beide sehen ihn. Beide wissen, was zu tun wäre. Und beide gehen weiter. In diesem Moment trifft mich ein unbequemer Gedanke: Religion wird dich nicht retten.

Am Ende kommt ein Fan von Hertha BSC vorbei – ausgerechnet. Einer, den man nicht leiden kann, dem man misstraut, der „nicht dazugehört“. Im Stück kümmert er sich liebevoll um den Verletzten, hebt ihn auf, versorgt ihn, bringt ihn in Sicherheit. Humorvoll dargestellt – mit Skateboard statt Reittier –, aber die Botschaft sitzt.

Im biblischen Original ist es kein Fußballfan, sondern ein Jude, der überfallen wird. Und der Helfer ist ein Samariter. „Dann kam einer der verachteten Samariter vorbei. Als er den Verletzten sah, hatte er Mitleid mit ihm“ (Lukas 10,33).

Die Juden hatten für Samariter nur Verachtung übrig. Sie galten als unrein, religiös falsch, moralisch zweifelhaft. Kulturell gesehen wäre ein Samariter der Letzte gewesen, von dem man Hilfe erwartet hätte. Wahrscheinlich hätte der Mann im Graben – wenn er noch Kraft gehabt hätte – gesagt: „Nein! Fass mich nicht an! Ich komme schon selbst zurecht.“

Und genau hier wird die Geschichte unbequem aktuell. Denn oft gleicht unser Leben diesem Straßengraben. Verletzungen. Schuld. Zerbrochene Beziehungen. Innere Leere. Und ja – Hilfe wird uns angeboten. Aber nicht immer so, wie wir sie erwarten. Nicht immer von der Seite, die uns sympathisch ist. Nicht immer in der Form, die unser Stolz zulässt.

Gott wirkt oft durch unerwartete Wege und unwahrscheinliche Menschen.

Der Gesetzeslehrer, dem Jesus diese Geschichte erzählt, versteht plötzlich: Ich bin dieser Mann im Graben. All meine Anstrengungen, gut genug zu sein. All mein religiöser Eifer. All mein Bemühen, mir das ewige Leben zu verdienen – sie reichen nicht. Ich bin geschlagen. Beraubt. Entkleidet. Und wenn niemand kommt, um mich zu retten, bin ich verloren.

Jesus sagt an anderer Stelle: Der Satan kommt, um zu stehlen, zu töten und zu zerstören, aber Jesus ist gekommen, damit wir Leben haben – und es in Fülle haben!“ Die einzige Hoffnung dieses Mannes ist nicht Religion. Nicht Moral. Nicht Leistung. Seine Hoffnung ist ein Retter.

Und dieser Retter kommt später selbst wie ein Samariter: verachtet, verspottet, verworfen. Er stirbt am Kreuz – und die Bibel sagt: Wer am Kreuz stirbt, gilt als verflucht. Wie kann ausgerechnet so jemand Retter sein?

Genau so.
Der Verachtete wird zum Retter.
Der Verworfene zum Hoffnungsträger.
Der Mann am Kreuz wird zum Friedefürsten – wenn du ihn lässt.

Ganz gleich, wie du aus diesem Jahr ins nächste gehst:
Der, den andere abgeschrieben haben, möchte dir helfen.
Nicht als Beifahrer. Sondern als der, der das Ruder übernimmt.

Herausforderung für heute: Bitte Jesus heute bewusst, die Führung in deinem Leben zu übernehmen – nicht punktuell, nicht halbherzig, sondern ganz. Bete um inneren Frieden für das neue Jahr und frage ihn ehrlich: Was ist mein nächster Schritt?

Sei gesegnet!„Man kann den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen“ (Aristoteles, zugeschrieben).

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