Mann betet

Das Gebet, das ich oft vergesse

Jürgen Ferrary
31. Mai 2026

Wofür betest du am häufigsten? Für Heilung? Für Bewahrung? Dafür, dass sich schwierige Umstände ändern? Dass Probleme verschwinden und sich Türen öffnen? Wenn ich ehrlich bin, bete ich oft genau dafür. Und wenn alles gut läuft, bete ich noch für andere Menschen.

Wofür ich dagegen viel zu selten bete, ist Weisheit. Dabei bräuchte ich sie ständig.

Wie oft stehen wir vor Entscheidungen? Wie oft sagen wir etwas, das uns später leidtut? Wie oft lassen wir uns von Gefühlen, Angst, Ärger oder Bequemlichkeit leiten? Wie oft treffen wir Entscheidungen, die uns im Nachhinein teuer zu stehen kommen?

Ich jedenfalls kenne diese Momente nur zu gut. Momente, in denen ich hinterher denke: „Hättest du doch vorher nachgedacht.“ Oder besser noch: „Hättest du Gott vorher gefragt.“

Deshalb liebe ich diesen Satz aus dem Jakobusbrief: „Wenn jemand unter euch Weisheit braucht, weil er wissen will, wie er nach Gottes Willen handeln soll, dann kann er Gott einfach darum bitten. Und Gott, der gerne hilft, wird ihm bestimmt antworten, ohne ihm Vorwürfe zu machen“ (Jakobus 1,5).

Was für eine Zusage! Gott verdreht nicht die Augen, wenn wir zum hundertsten Mal mit derselben Frage kommen. Er sagt nicht: „Das müsstest du inzwischen doch selbst wissen.“ Er schenkt gerne Weisheit.

Natürlich nimmt er uns die Entscheidung nicht ab. Gott hat uns einen freien Willen gegeben. Er lädt uns ein, nach seiner Perspektive zu fragen – aber handeln müssen wir selbst.

Manchmal geht es dabei um große Entscheidungen: Soll ich diesen Job annehmen? Soll ich umziehen? Soll ich diese Beziehung weiterführen? Soll ich dieses Haus kaufen?

Oft geht es aber um viel kleinere Dinge: Wie reagiere ich auf die kritische E-Mail? Wie rede ich mit meinem Chef? Wie gehe ich mit diesem Konflikt um? Wofür investiere ich meine Zeit? Wofür mein Geld?

In der Bibel ist Weisheit weit mehr als Wissen. Das hebräische Wort chokmah und das griechische Wort sophia beschreiben eine Lebenskunst: die Fähigkeit, das Leben nach Gottes Maßstäben zu gestalten.

Weisheit bedeutet nicht, alles zu wissen. Weisheit bedeutet, so zu leben, dass Gottes Gedanken mein Handeln prägen. Und genau da merke ich, wie sehr ich Gott brauche. Denn da sind meine Erfahrungen. Meine Verletzungen. Mein Stolz. Meine Ungeduld. Mein impulsives Temperament. Meine festgefahrenen Denkmuster.

All das redet laut. Gottes Weisheit dagegen kommt oft leise. Deshalb muss Weisheit nicht immer das Ergebnis langer Gebetszeiten sein. Manchmal schon. Aber oft ist es einfach ein kurzes Gebet mitten im Alltag: „Herr, schenke mir Weisheit.“ „Zeig mir, was jetzt dran ist.“ „Lege mir die richtigen Worte in den Mund.“

Manchmal dauert dieses Gebet nur wenige Sekunden. Aber es kann den Verlauf eines ganzen Tages verändern. Denn Weisheit beginnt nicht damit, dass wir die perfekte Antwort kennen. Sie beginnt damit, dass wir Gott fragen.

Herausforderung für heute: Bevor du heute die nächste wichtige Entscheidung triffst – ob groß oder klein –, halte einen Moment inne. Frag nicht zuerst dein Bauchgefühl, nicht Google und nicht die lauteste Meinung um dich herum. Frag zuerst Gott: „Herr, schenke mir Weisheit.“

Und achte darauf, was passiert.

Sei gesegnet!

„Wir sind nicht deshalb weise, weil wir niemals Fehler machen, sondern weil wir aus ihnen lernen.“ – John Wooden.

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