Mann mit Rucksack sieht auf die Stadt

Berufen – nicht berühmt

Jürgen Ferrary
10. Januar 2026

Als ich Christ wurde, haben mich große Glaubensgeschichten fasziniert. Die aus der Bibel – Abraham, David, Elia. Und die aus der Kirchengeschichte – Nikolaus von Myra, Martin Luther, John Wesley, Johann Hinrich Wichern. Menschen, die Geschichte geschrieben haben. Menschen, die etwas bewegt haben.

Später schaute ich zu bekannten Predigern auf. Ich durfte Billy Graham einmal in Berlin erleben, hörte Peter Hahne auf Konferenzen und arbeitete mit Ulrich Parzany zusammen. Gerade eine Begegnung mit ihm hat mein Denken nachhaltig verändert.

Wir saßen beim CVJM in Berlin beim Frühstück. Ich war ungewohnt still, stellte vorsichtig Fragen – mit einer ordentlichen Portion Ehrfurcht. Irgendwann schaute er mich an und sagte lachend: „Ich bin erst einmal nicht Sie – und dann bin ich Uli.“

Dieser Satz hat gesessen. Und er hat mir etwas Entscheidendes gezeigt: Bei Gott gibt es keine großen und keine kleinen Menschen. Es gibt Menschen mit großen oder mit kleinen Träumen.

Gott sucht keine Superhelden. Er sucht gewöhnliche Menschen, die bereit sind, sich einem größeren Traum anzuvertrauen. Und die Wahrheit ist: Ein großer Traum holt mehr aus dir heraus, als du allein jemals aus dir machen würdest.

Durch den Propheten Jeremia sagt Gott: „Denn ich weiß genau, welche Pläne ich für euch habe … Pläne des Heils und nicht des Unheils; ich gebe euch Zukunft und Hoffnung“ (Jeremia 29,11).

Dieser Vers ist kein allgemeines Wohlfühlversprechen, sondern ein Zuspruch in einer Zeit der Unsicherheit. Gott verheißt nicht den leichten Weg, sondern eine tragende Hoffnung – mitten im Prozess.

Gott hat einen Traum für dein Leben. Nicht unbedingt einen spektakulären, aber einen echten. Einen, der zu dir passt. Er will dich nicht mit anderen vergleichen, sondern dich gebrauchen. Nur du kannst Gottes Traum für dein Leben leben.

Doch dieser Traum hat seinen Preis. Er kostet Hingabe. Bereitschaft. Vertrauen. Paulus bringt es radikal ehrlich auf den Punkt: „Stellt euer ganzes Leben Gott zur Verfügung … Lasst euch von Gott verwandeln, damit euer Denken erneuert wird“ (Römer 12,1–2).

Gottes Traum verwirklicht sich nicht nebenbei. Er formt unser Denken, unsere Prioritäten, unsere Entscheidungen. Wie ein Profisportler sein Leben auf sein Ziel ausrichtet, so lädt Gott uns ein, unser Leben an seinem Willen auszurichten – nicht aus Zwang, sondern aus Vertrauen.

Viele Menschen verpassen Gottes Traum, weil sie mehr auf andere schauen als auf Gott. Vergleichen lähmt. Angst, etwas zu verpassen, macht uns zu Kopien statt zu Originalen. Doch Gott wollte nie, dass du jemand anderes wirst.

Die Frage ist nicht: Was machen die anderen?
Sondern: Wozu hat Gott mein Herz bewegt?

Der Hebräerbrief ermutigt uns: „Lasst uns alles ablegen, was uns hindert … und den Wettlauf laufen, den Gott uns aufgetragen hat“ (Hebräer 12,1).

Nicht irgendeinen Wettlauf. Deinen.

Herausforderung für heute: Nimm dir fünf Minuten Zeit und beantworte ehrlich diese Frage: Was würde ich wagen, wenn ich keine Angst hätte, nicht zu genügen oder übersehen zu werden? Sprich genau das im Gebet Gott gegenüber aus.

Sei gesegnet!

„Die größte Gefahr im Leben ist nicht, dass wir zu hohe Ziele haben und sie verfehlen, sondern dass wir zu niedrige haben und sie erreichen“ (Michelangelo).

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