Unangenehmer Auftrag

Er hat einen unangenehmen Auftrag: Er soll in eine Stadt fahren und den Leuten sagen: “Bekehrt Euch!” Die Stadt heißt Ninive. Dort leben Menschen, die ihren eigenen Gesetzen folgen: Egoismus, Ausbeutung, Habgier, sexuelle Willkür, Gewalt.

Auserwählt

Jona, so heißt der Mann, den Gott sich für diesen Auftrag ausgewählt hat, bekommt Angst. Schließlich gehört unglaublich viel Mut dazu, denen, die nichts von Gott wissen wollen, zu sagen: “Ihr befindet Éuch mitten im Dreck. Ihr seid verloren, wenn Ihr nicht umkehrt!” Jona weiß, man wird ihn in Ninive nicht nur höhnisch auslachen, er riskiert auch sein Leben. Wer will schon einen Unruhestifter in der Stadt haben? Einen, der Klartext redet, der Sünde Sünde nennt, von Strafe und Gericht spricht und mitten in den liebgewordenen Schmutz tritt.

Nichts als Angst

Jona sieht, was auf ihn zukommt und ergreift die Flucht. Er versucht wegzulaufen. Ein kleiner Mensch nimmt es mit dem großen Gott auf! Er besteigt ein Schiff, das in die entgegengesetzte Richtung fährt und freut sich: Da bin ich noch mal davongekommen. Natürlich will ich Gott gehorchen, aber das hier ist mir zu schwer. Ich habe Angst, nichts als Angst.

Verantwortung

Und der Schöpfer des Himmels und der Erde sieht sich an, was der kleine Mensch da unternimmt und greift souverän ein. Als das Schiff auf hoher See ist, schickt er einen schrecklichen Sturm. Die Besatzung fürchtet um ihr Leben. Natürlich fragen sie auch, wie viele Menschen im Unglück: Wer ist Schuld daran? – Keiner weiß eine Antwort, nur Jona. Der aber liegt in der Kajüte und schläft. “Lass die Wellen hoch gehen”, denkt er, “was kümmert’s mich?” Erneut hat er sich der Verantwortung entzogen. Ihn interessiert weder der Kampf gegen die Gewalt von Wind und Meer, noch bemüht er sich um die Seeleute. Die aber fragen nun aufgeregt: “Bist du etwa Schuld daran, dass es uns so schlecht geht?”

Gehorsam

Es musste erst ein Sturm kommen, bevor Jona bereit ist, sich der Wahrheit zu stellen: “Um meine Sache geht es. Ich habe Gott nicht gehorcht. Ich bin ungehorsam gewesen”, gibt er zu. Und ohne noch einmal zu zögern, sagt er: “Werft micht ins Meer. Dann wird sich das Unwetter beruhigen!” Die Schiffsbesatzung ist unentschlossen. Schließlich gehorchen sie dem Gott, mit dem Jona lebt. Offensichtlich ist er mächtiger als alle Götter, an die sie bisher geglaubt haben.

Todesangst

Und das Wunder geschieht: Als der Prophet ins Meer gestoßen wird, nimmt der Aufruhr der Elemente sofort ein Ende. Und ein weiteres Wunder geschieht: Ein großer Fisch kommt und verschluckt den Mann. Was für ein Fisch es war, wird nicht gesagt.

Offensichtlich konnte Jona jedoch in seinem Bauch ein paar Tage überleben. Nun ist er eingesperrt in ein schwimmendes Gefängnis. Er ist überzeugt, dass er sterben wird. Und mitten in der bedrückenden Enge, der Aussichtslosigkeit und dem Tod vor Augen, fängt er wieder an zu beten. Entschuldigt sich bei dem großen Gott. Schämt sich. Gibt zu, dass er ihn enttäuscht hat. Fängt an, ihn mitten im Leid und in der Todesangst zu loben.

Lektion begriffen

Gott hat den ungehorsamen Propheten nicht vergessen. Nach drei Tagen spuckt ihn der Fisch an Land. Jetzt endlich hat Jona seine Lektion begriffen und plötzlich auch den Mut, den er sich vorher nicht zutraute. Ohne sich noch einmal umzudrehen, führt er seinen Auftrag aus. Und die Menschen in der gottlosen Stadt Ninive erkennen, dass der Prophet aus dem Fischbauch die Wahrheit sagt und erschrecken zutiefst. Nur noch ein Gedanke erfüllt sie: Zurück in die Nähe dessen allein mächtigen Gottes. Sie flehen um Erbarmen und Rettung. Und Gott lässt sich erbitten. Er sieht, dass die Reue echt ist, und gewährt Stadt und Menschen noch einmal Gnade.

ICHTYS

Aus einer tiefen Lebenskrise, aus Gebochenheit, Todesangst und Verzweiflung rettet Gott einen Menschen. Er spuckt ihn heraus aus der Angst. Er kann sein schwimmendes Gefängnis verlassen und hat wieder festen Boden unter den Füßen. Der Gerettete verkündet die Rettung. Was für ein Gott! Der Fisch, ichthys, wie er im Griechischen heißt, isst das alte Symbol der Christen. Es steht für fünf Worte: Jesus Christus, Gottes Sohn, Retter. Wer sich diesem Herrn an den Hals wirft, kann die Angst loslassen.

Dr. Irmhild Bärend für GottinBerlin