Männer beten füreinander

Unruhiger Mann

Nach meinem letzten Predigtdienst kam ein junger Mann auf mich zu und sprach mich an. Er war mir schon während meiner Predigt aufgefallen. Er wurde während meiner Worte immer unruhiger und man sah ihm an, dass er etwas sagen wollte. An einer Stelle meiner Predigt meldete er sich sogar, woraufhin seine Mutter aber liebevoll seinen Arm wieder sanft nach unten drückte. 

Nun war der Gottesdienst beendet und der junge Mann stand vor mir und stellte sich vor. Sein Name sei David – und meine Predigt hätte ihn sehr bewegt, sagte er. Besonders die Stelle, in der ich dazu aufrief, sich von Jesus mit Liebe erfüllen zu lassen, die so weit geht, sogar die Abgebrannten, Ausgestoßenen und die, die keiner um sich haben will, anzunehmen.

Ich bedankte mich und versicherte ihm, dass wir in diesem Bereich alle unsere Defizite hätten. Er fuhr fort, er wäre selbst drogenabhängig und würde immer wieder rückfällig werden. Aber die Gemeinde würde ihn liebevoll aufnehmen und ihm sehr viel Halt geben.

Hände auflegen und beten

Wir unterhielten uns eine Weile weiter – und in mir wuchs der Drang, ihm die Hände aufzulegen und für ihn zu beten. Viele Jahre hatte ich solche Gefühle unterdrückt. Ich hatte immer Angst davor, andere Menschen zu fragen, ob sie damit einverstanden wären. Was, wenn sie Nein sagen? Oder was, wenn nichts passiert und mein Gebet im Raum verhallt?

Würde ich mich nicht total blamieren? Natürlich weiß ich im Kopf, dass Gott jedes Gebet hört. Aber ich hatte immer Sorge, ich würde Menschen enttäuschen, wenn sie nicht sofort geheilt, sofort von Problemen erlöst oder sofort von Bindungen befreit werden würden, wenn ich für sie betete. Ich hatte Angst, sie würden mich auslachen.

Im Laufe der Jahre hat Gott mein Herz in diesem Punkt sehr verändert. Ich habe beides erlebt, große Wunder, wie Heilungen, nachdem ich Menschen die Hände auflegte und für sie betete, aber auch, dass äußerlich erst einmal nichts passierte. Aber meine Angst ist verschwunden.

Wenn Eitelkeit blockiert

Heute weiß ich, dass meine Angst mit Eitelkeit zu tun hatte. Ich wollte gut dastehen. Es war mir wichtig, dass die Menschen “gut” über mich dachten. Und dazu gehörte natürlich, dass es bei jedem Gebet auch eine Gebetserhörung geben musste – und zwar sofort. Wenn nicht, dann wäre das eine Blamage für mich gewesen.

Ich denke, dass genau diese Eitelkeit oft verhindert hat, dass Gott bei dem einen oder anderen Gebet (sofort) geantwortet hat. Gott hat ein Interesse daran, durch uns Menschen hindurch zu wirken, aber Gott hat kein Interesse daran, meine Eitelkeit zu füttern.

Bei Menschen, bei denen nach einem Gebet nichts Sichtbares geschehen ist, werde ich vielleicht erst später im Himmel erfahren, wie es mit ihnen weiterging. Ich weiß nicht, ob Gott einen Tag später, eine Woche später oder erst in der Ewigkeit reagiert hat. Und wenn er das Wunder nicht geschenkt hat, dann kennt er – Gott – allein die Gründe dafür.

Heute habe ich keine Angst mehr davor, dass Menschen schlecht über mich denken könnten. 1 Samuel 16, 7b (NLB) sagt: “Der Mensch urteilt nach dem, was er sieht, doch der Herr sieht ins Herz.” Ich glaube fest daran, dass es wahr ist, was die Bibel sagt: Wenn wir jemandem die Hände auflegen und wenn wir für jemanden beten, dann geschieht etwas in der unsichtbaren Welt. Und das hat nichts mit mir zu tun. Nicht ich bin der Held, sondern Jesus ist es.

Am vergangenen Sonntag habe ich den jungen Mann gefragt, ob ich ihm die Hände auflegen und für ihn beten darf. Ich spürte Gottes Gegenwart sehr stark und bin fest davon überzeugt, dass Gott am Werk war und ist, auch wenn Sonntag nichts Sichtbares passiert ist. Ob der Mann drogenfrei bleibt oder rückfällig wird? Ich weiß es nicht. Ob die Macht der Drogen vielleicht sogar durch das Gebet gebrochen wurde? Nur Gott weiß es. 

Was ich aber weiß, ist, dass Gott diesen jungen Menschen angerührt hat. Und dass ich meine Eitelkeit überwunden habe – und das war gut. Wenn wir nichts ausprobieren, werden wir nichts erleben.

Hast du schon mal für jemanden gebetet und ihm die Hände aufgelegt? Wenn nicht, dann frage dich, warum nicht – und fange damit an. Am besten gleich heute!

Sei gesegnet!

P.S. Wenn du magst, kannst du dir meine letzte Predigt hier anhören: 

https://hearthis.at/j.ferrary-k4/210117falkenseeneustart/

Weitere Gedanken und einen Song zum Tag gibt es hier: – zum selbst Lesen oder Weiterleiten – https://juergens-gedanken.blogspot.com

Jürgen Ferrary für GottinBerlin.de