Fliegen

Ich war schon ein “großer Junge”, als ich das erste Mal in ein Flugzeug steigen durfte. Mit 18 Jahren flog ich mit einer Gruppe aus meiner Schule in die USA nach Arkansas für einen dreiwöchigen Schüleraustausch. Ich hatte all mein Erspartes dafür hergegeben und war aufgeregt wie ein kleiner Junge. Obwohl dieser erste Flug schon viele Jahre her ist und ich seitdem schon oft in den Genuss kam zu fliegen, kann ich mich an ganz Vieles noch erinnern. Es war ja alles neu und aufregend.

Zwischen New York und Amsterdam

Angst hatte ich damals beim Fliegen absolut keine. Jahre später gab es auf dem Weg zwischen New York und Amsterdam einen Zwischenfall, den ich ebenso wenig vergessen werde. Das Flugzeug wurde etwa eine Dreiviertelstunde so heftig geschüttelt, dass die Lehne des Sitzes, auf dem eine Dame vor mir saß, abbrach. Meine Devise lautete: Solange die Stewardessen lächeln, ist alles gut. Bei uns lag in der Mittelreihe direkt hinter mir aber eine von ihnen regelrecht auf dem Schoß der dort sitzenden Passagiere und weinte bitterlich.

Horror-Flug

Wir sind sicher und heil angekommen – leider hat man uns nie erzählt, was wirklich der Grund für diesen Horror-Flug war. Aber dieses Erlebnis war für mein Leben einschneidend aus zwei Gründen. Hatte ich vorher nie darüber nachgedacht, dass ich mein ganzes Sein ein paar Piloten in die Hände legte, wurde mir schlagartig bewusst, was für ein Vertrauen ich diesen Menschen, die ich nicht kannte, entgegenbringe, wenn ich ins Flugzeug steige. Und ein Zweites prägte mich, nämlich, dass ich in diesen Minuten, wo Menschen schreien und weinten, das erste Mal innerlich mit meinem Leben abschloss.

Vertrauen

Vertrauen bringen wir an verschiedenen Punkten anderen Menschen entgegen: Wenn ich mit dem Auto auf einer vorfahrtsberechtigten Straße bin, dann vertraue ich darauf, dass die Autos von rechts und links anhalten. Wenn ich mich operieren lassen muss, vertraue ich, dass der Arzt mir nicht das Ohr abschneidet, obwohl er mir den Blinddarm entfernen soll. Wenn ich beim Bäcker Brot kaufe, vertraue ich darauf, dass der ins Brot keine Giftstoffe eingebacken hat. Wenn mein Auto in der Werkstatt war, vertraue ich darauf, dass die Bremsen noch funktionieren. Und so weiter.

Urvertrauen

Wir vertrauen im Leben anderen unser ganzes Sein an – ohne sie zu kennen. Wir vertrauen darauf, dass die Menschen einen guten Job machen, umsichtig sind, sich an Regeln halten und so keinen Schaden produzieren. Dieses Vertrauen hat sicherlich viel mit Erfahrung zu tun. Vielleicht denkt man anfangs genauso wenig darüber nach wie ich, als ich das erste Mal ins Flugzeug stieg – das ist eine Art Urvertrauen. Später dann, wenn ich darüber nachdenke, dann sehe ich, ich bin schon so und so oft geflogen, und alles ging gut, also wird das dieses Mal auch der Fall sein.

Motivation Liebe

Im Glauben fällt mir dieses Vertrauen komischerweise oft schwerer. Dabei weiß ich: Gott meint es gut mit mir. Gott kennt mich besser, als ich mich selber kenne. Gott liebt mich. Also sollte ich ihm doch absolut vertrauen: “Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohlmachen”, lese ich in Psalm 37. Ich weiß, ist mein Urvertrauen in das Leben erst einmal erschüttert (und das geschieht meist sehr schnell), muss Vertrauen zu Gott erst einmal wachsen. Aber mal ehrlich: Gott hat seinen Sohn für mich geopfert – aus Liebe. Warum ist es dann so viel schwerer ihm zu vertrauen als einem Piloten, den ich nicht kenne und der “nur” ein Mensch ist? Gut, der wird dafür bezahlt, dass er seinen Job tut. Aber ist die Motivation “Liebe” nicht viel mehr wert als Geld?

Mit meinem Leben abgeschlossen

Als ich damals mit meinem Leben schon einmal innerlich abgeschlossen habe, wurde mir bewusst, wie fragil alles ist, was ich bin und was ich habe. Das hat es mir leichter gemacht loszulassen und zu vertrauen. Dennoch bin ich froh, immer wieder auch über solche Bibelstellen zu stolpern, die mich daran erinnern, wie gut es ist, Gott wirklich zu vertrauen und keinen Plan B in der Tasche zu haben.

Ans Kreuz gehen

Lasst uns heute ans Kreuz gehen und Gott Bereiche nennen, wo wir ihm nicht vertrauen. Lasst ihn uns einladen, dass er uns das Vertrauen schenkt, dass er zeigt, dass er vertrauenswürdig ist und lasst uns ihn dann bitten, uns zu helfen, Misstrauen abzugeben und als Tausch dafür Vertrauen zu bekommen.

Sei gesegnet!

Weitere Gedanken und einen Song zum Tag gibt es hier: – zum selbst Lesen oder Weiterleiten – https://juergens-gedanken.blogspot.com

Jürgen Ferrary für GottinBerlin.de