Versöhnung

“Jesus ist für deine Schuld gestorben!” – das war einer der wichtigsten Sätze, warum ich Christ geworden bin. Schuld hatte ich genug im Leben. Mist hatte ich genug gebaut. Jesus hat mir vergeben. Und ich wusste: Wenn es möglich sein würde, Versöhnung mit Gott zu erleben, dann war das genau das, was ich wollte.

In die Luft gehen

Aber das war alles gar nicht so einfach. Zum einen wusste ich gar nicht, wie ich das rein praktisch machen sollte, zum anderen hatte ich immer Sorge, dass Gott so sein würde, wie ich. Wenn mir jemand etwas angetan hatte, dann war ich schnell sauer und bin in die Luft gegangen. Ich bin aber auch schnell “runtergekommen” und war wieder versöhnlich und habe vergeben. Ich habe mich in der Grundschule oft mit anderen Jungs geprügelt, um dann schon am selben Nachmittag wieder mit ihnen zu spielen.

Enttäuschen

Was mich aber wirklich sauer gemacht hat, war, wenn jemand mich ein zweites oder drittes Mal enttäuscht hat oder verletzt oder mich anlog. Das ging gar nicht. Beim ersten Mal fiel es mir leicht zu “vergeben”, aber, wenn es ein zweites Mal passierte, gingen bei mir die Alarmglocken an. Und eine “Freundschaft” wurde dann schon mal beendet, wenn mich jemand ein drittes Mal enttäuschte.

Vergeben

Bei Gott ist das zum Glück anders. Wenn mir Dinge vergeben wurden und ich dann doch wieder in die Falle tappe (das klingt so schön passiv, als ob ich für meine Schuld nichts könnte, merkst du?), dann schlägt Gott nicht das große Buch auf und schaut hinein, wie oft ich diesen oder jeden Fehler schon einmal getan habe. Wenn Gott mir Dinge vergibt, dann sind sie nicht mehr da. In der Bibel steht, dass Gott unsere Schuld, wenn wir sie bekennen, in die tiefsten Tiefen des Meeres versenkt – ein Bild dafür, dass niemand sie wieder an die Oberfläche holen kann.

Schuld

Wenn ich eine Schuld bei Gott abgegeben habe, dann ist sie weg – für immer. Und wenn ich dieselbe Schuld noch einmal tue, dann ist es für Gott das erste Mal. Gott ist nicht nachtragend und sagt: “Vor drei Jahren und zwei Monaten hast du das doch schon einmal getan und vor elf Jahren, sieben Monaten und fünf Tagen ebenso!”

Wenn ich Schuld bei Gott abgebe, dann ist sie vergeben, getilgt, weg, nicht mehr da. “Jesus ist für deine Schuld gestorben!” – er hat dafür bezahlt, mit seinem Leben. Der wichtige und nötige Schritt ist aber, dass ich Dinge eben auch bei Gott abgebe.

Vergebung

Ich hatte lange das Gefühl, Vergebung sei eine Art Pauschal-Akt. Vergebung wird verteilt, wie in manchen Kirchen Weihwasser in die Menge gesprüht wird. Dem ist aber nicht so. Befreiung und Veränderung habe ich dadurch nicht erlebt. Natürlich beten wir im Vaterunser: “Und vergib uns unsere Schuld…” – dennoch ist es wichtig, Dinge konkret zu benennen. Das macht dich wirklich frei.

Erneuern

Wenn ich eine “Pauschal-Vergebung” erlebe, dann verändert mich das (wahrscheinlich) nicht, weil es mich wenig berührt. Wenn ich mit meiner Schuld ans Kreuz gehe (symbolisch oder reell) und dann Dinge ausspreche, werde ich erleben, wie zum einen meine Seele leichter wird (Schuld wird getauscht gegen Liebe von Gott), zum anderen ich von innen nach außen verändert werde (die Liebe, die Raum in mir nimmt, wird mich erneuern).

Bekennen

Der Next Step könnte sein, Dinge aufzuschreiben, die ich noch nie vor Gott bekannt habe und sie dann bewusst abzugeben. “Jesus ist für deine Schuld gestorben!”- der Preis ist lange bezahlt, kein Grund daran festzuhalten.

Sei gesegnet!

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Jürgen Ferrary für GottinBerlin.de