Holzfiguren -Maria - Jesus - Engel

Die Hirten auf dem Feld

In dieser Nacht bewachten draußen auf den Feldern vor Bethlehem einige Hirten ihre Herden.  Plötzlich trat ein Engel des Herrn zu ihnen, und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie. Die Hirten erschraken sehr, aber der Engel sagte: »Fürchtet euch nicht! Ich verkünde euch eine Botschaft, die das ganze Volk mit großer Freude erfüllen wird: Heute ist für euch in der Stadt, in der schon David geboren wurde, der versprochene Retter zur Welt gekommen. Es ist Christus, der Herr. Und daran werdet ihr ihn erkennen: Das Kind liegt, in Windeln gewickelt, in einer Futterkrippe!« (Lukas 2, 8-12)
 
Hirten waren zur Zeit der Geburt Jesu gesellschaftlich gesehen nicht viel wert. Dabei hatte Gott doch immer wieder Hirten genutzt, um Geschichte mit seinem Volk zu schreiben. Abraham lebte mit seinen Nachkommen als Hirte, und auch Moses war einer. An der Berufungsgeschichte von König David fällt zum ersten Mal auf, dass Hirten die untersten auf der Gesellschafts-Leiter waren: 
 
Als der Prophet Samuel den auserwählten zukünftigen König Israels sucht, zeigt ihm Isai  (fast) alle seine Söhne. In 1. Samuel 16, 10+11 HfA) können wir dann lesen: „Und so ließ Isai seine sieben Söhne an Samuel vorbeigehen. Zuletzt sagte Samuel zu Isai: »Der HERR hat keinen von ihnen auserwählt. Aber sind das wirklich alle deine Söhne?« »Nein, der jüngste fehlt noch«, antwortete Isai. »Er ist auf den Feldern und hütet unsere Schafe und Ziegen.«
 
Auf alle Söhne war Isai stolz und zeigte sie gern. Aber seinen jüngsten Sohn, den Hirtenjungen, ließ er erst nach Aufforderung holen. Das allein zeigt die gesellschaftliche Stellung. Hirten waren Leute, die meist unter sich waren. Sie lebten fast das ganze Jahr über bei den Herden, die oft nicht ihnen gehörten. Gemeinschaft hatten sie maximal untereinander, wenn sie in kleinen Grüppchen mit anderen Hirten unterwegs waren.
 
 

Unterste Schicht der Gesellschaft

Und genau diesen Schlag Menschen sucht sich Gott aus, um die Geburt Jesu bekannt zu machen. Auf der einen Seite die vornehmen, gebildeten Sterndeuter, auf der anderen Seite die Niedrigsten der Gesellschaft. Warum tat er das? Wäre es nicht sinnvoller gewesen, Gott hätte zu einer Gruppe Priester oder Gemeindevorsteher gesprochen anstatt zu Menschen mit denen die Gesellschaft nichts zu tun haben wollten?
 
Nutzen übertrifft hier Logik – so ist Gott eben. Er nutzt die, die sich nie wagen würden zu lügen, weil sie eh schon ganz unten waren. Er nutzt die von der Gesellschaft geächteten und zeigt damit deutlich auf die Bestimmung dieses Babys in der Krippe: In Lukas 19, 10 (HfA) heißt es: „Der Menschensohn ist gekommen, Verlorene zu suchen und zu retten.“ Jesus ist auf die Welt gekommen für die Ausgestoßenen, die, die sich wertlos fühlen, die Armen, die Schmutzigen, die heutigen Hirten – ebenso, wie für alle anderen Menschen. 
 
 

Alle sind Willkommen

 
 
Deswegen ist der Bericht über das Erscheinen der Boten Gottes bei den Hirten kein romantisches Detail zum Ausschmücken der Geschichte, sondern ein wichtiger Aspekt, der zeigt: Bei Jesus sind alle willkommen. Die Angesehenen (die Sterndeuter) und die Verachteten (die Hirten). Niemand ist zu groß oder zu klein. Niemand zu rein oder zu dreckig, niemand zu gut oder zu schuldig. Alle sind Willkommen.
 
Jesus liebt dich so, wie du bist – und nimmt dich an, so, wie du bist. Alles, was du tun kannst und tun musst, ist, seinen Ruf zu hören. Die Hirten rief ein Bote Gottes, ein ἄγγελος (Engel), wie er genannt wird. Auch, wenn ich glaube, dass es bei den meisten von uns nicht so ist, dass die „Herrlichkeit des Herrn“ uns umstrahlt, wenn Gott zu uns redet (aber wer weiß das schon), so bin ich dennoch fest davon überzeugt, dass Gott – heute wie damals – Menschen aller gesellschaftlichen Schichten zu sich einlädt, also auch dich und mich.
 
Die Frage ist, höre ich den Ruf? Und wenn ja, wie reagiere ich?  
 
Sei gesegnet!

Weitere Gedanken und einen Song zum Tag gibt es hier: – zum selbst Lesen oder Weiterleiten – https://juergens-gedanken.blogspot.com

Jürgen Ferrary für GottinBerlin.de