Montag. Kaffee. Pendeln. Wiederholen. 

Hand aufs Herz: Wie viel von deinem gestrigen Tag erinnerst du noch? Nicht die großen Dinge – die fallen sowieso auf. Sondern die kleinen: Welche Farbe hatte der Himmel, als du das Haus verlassen hast? Wie hat dein Mittagessen gerochen? Was hat dich auf dem Weg zur Arbeit kurz innehalten lassen? 

Für die meisten von uns verschwimmt der Alltag zu einem gleichförmigen Grau. Nicht weil das Leben grau wäre – sondern weil wir gelernt haben, durch ihn hindurchzuschauen, als wäre er nur die Brücke zwischen den Momenten, die wirklich zählen. 

Maike Behn hält dagegen – mit einem Satz, der so kurz wie herausfordernd ist: „Der Alltag ist bunt.“ 

Nicht: Der Alltag könnte bunt sein. Oder: Versuche, ihn bunter zu machen. Sondern: Er ist es bereits. Wir müssen nur wieder lernen, hinzuschauen. 


Was wir übersehen, während wir funktionieren 

Ein Garten voller Pflanzen sieht aus der Ferne wie eine grüne Fläche aus. Erst wer nähertritt, entdeckt, wie viele verschiedene Grüntöne es gibt. Wie das Licht unterschiedlich auf die Blätter fällt. Wie eine Blume aufgeht, während eine andere verwelkt. Wie sich der Boden von Beet zu Beet anfühlt. 

Das Leben ist genauso. Aus der Distanz der Routine wirkt es einförmig. Aus der Nähe der Aufmerksamkeit ist es reich. 

Das Problem ist nicht der Alltag. Das Problem ist die Autopilot-Haltung, mit der wir durch ihn navigieren. Wir erledigen Dinge, ohne sie zu erleben. Wir begegnen Menschen, ohne sie wirklich wahrzunehmen. Wir atmen, ohne es zu spüren.  

Maike Behns Impuls ist eine Einladung, aus diesem Modus auszusteigen – nicht heroisch und einmalig, sondern leise und täglich.  

Drei Wege, Farbe in den Alltag zu lassen

Geistliche Übung: Gott in der Vielfalt entdecken 

Achte heute auf die Farbenvielfalt um dich herum: die Textur deiner Tischplatte, das Licht im Raum, die Gesichter der Menschen, mit denen du zusammenkommst. Die Verschiedenheit, die du dabei siehst, ist kein Zufall. 

Gott zeigt sich in der Natur als vielfältig und bunt – kein Blatt ist wie das andere, kein Sonnenuntergang wiederholt sich exakt. Diese Vielfalt ist Ausdruck seiner Schöpfungskraft. Wer das im Kleinen entdeckt, begegnet dem Großen im Alltag.   


Körperübung: Das kleine Geheimnis deiner Zunge 

Diese Übung klingt erst seltsam – und entfaltet dann eine überraschende Wirkung. Die Zunge spiegelt die Anspannung des gesamten Körpers wider. Probiere es jetzt aus: 

Drücke deine Zunge breit und flach gegen den Gaumen. Halte sie dort für 7 Sekunden. Dann: wahrnehmen – lösen – genießen. 

Oft geschieht in diesem Moment etwas Merkwürdiges: Der Kiefer entspannt sich. Die Schultern sinken ein Stück. Der Atem wird tiefer. Anspannung, die wir schon längst nicht mehr bewusst gespürt haben, löst sich auf. 

Der Körper trägt den ganzen Tag mit sich – alles, was wir verdrängen, schlucken, nicht aussprechen. Diese kleine Übung gibt ihm die Erlaubnis, loszulassen. 

Zum Nachdenken: Wann hast du zuletzt deine Routinen hinterfragt? 

Wir alle haben sie: feste Abläufe, die wir irgendwann eingeführt haben und seitdem nicht mehr angefasst haben. Der immer gleiche Weg zur Arbeit. Das gleiche Frühstück. Die gleichen Gesprächsthemen mit den gleichen Menschen. 

Frage dich: Aus welchem Grund sind diese Routinen entstanden? Und – ergeben sie heute noch Sinn? 


Manche Routinen schützen uns. Manche tragen uns. Und manche schränken uns ein, ohne dass wir es gemerkt haben. Die Frage ist nicht, ob Routinen gut oder schlecht sind – sondern ob sie noch zu dem Menschen passen, der du heute bist. 

Wo erlebst du bunten Alltag? Und wo würdest du dir mehr davon wünschen? 

Farbe braucht keine besonderen Anlässe 

Es muss kein Urlaub sein, kein besonderes Wochenende, kein Jubiläum. Farbe ist im Dienstagmorgen genauso vorhanden wie im Sommerurlaub. Im kurzen Gespräch an der Kaffeemaschine genauso wie im langen Abendessen mit Freunden. Der Unterschied liegt nicht in den Umständen. Er liegt in der Aufmerksamkeit, die wir mitbringen. 

Was war heute bereits bunt in deinem Alltag – auch wenn du es vielleicht erst jetzt, beim Lesen, bemerkst? Schreib es gerne in die Kommentare.  

Alle Impulse der Saatgut-Reihe findest du unter www.maike-behn.de

 

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