Worship

Vor einigen Jahren wollte die Jugend meiner Gemeinde an einem Freitagabend alle Lieder, die sie kannten, aus einem Liederbuch als Abendveranstaltung singen. Sie wollten reden und hören auf Gott. Ich war damals schon nicht mehr so richtig jugendlich, aber das musste ich mir anschauen. Wenn junge Leute die Party mit einer Zeit Worship tauschen wollten, dann wollte ich das miterleben.

Auf dem “Kriegsfuß”

Es war ein umwerfender Abend – nicht nur, weil die jungen Leute das wirklich richtig Klasse gemacht haben, sondern weil Gott den Abend nutzte, um mich im Glauben wieder ein Stück weiterzubringen, denn dieser Abend sollte mich durch eine gewaltige Gotteserfahrung Demut lehren. Ich stand gerade ein Stück auf Kriegsfuß mit der Gemeinde, weil die sich “dem Heiligen Geist öffnen wollte” – wie es hieß. Da hatte ich eine andere Prägung. Das wollte ich nicht.

Kommen und Gehen

Zurück zu jenem Abend. Es wurden viele Lieder gesungen, dazwischen wurde gebetet (Reden und Hören auf Gott). Was die Jugendlichen anging, war es ein ständiges Kommen und Gehen, was mich damals irgendwie innerlich ärgerte. Das war vielleicht auch der Grund, warum ich immer mal wieder zur Tür schaute.

Innere Stimme

Als ich wieder einmal dort hinsah, sah ich einen jungen Mann, der sich augenscheinlich fröhlich und ausgelassen mit anderen unterhielt. Aber ich hatte auf einmal ein ganz merkwürdiges Gefühl in mir. So etwas hatte ich noch nie erlebt. Es war wie eine innere Stimme, die sagte: “Geh zu diesem jungen Mann und sprich ihn an!” Das tat ich natürlich nicht. Zum einen hätte ich damals vehement abgestritten, dass Gott so zu Menschen redet, zum anderen wollte ich mich nicht lächerlich machen.

Reden mit Gott

Ich drehte mich wieder um und sang weiter. Aber das Gefühl wurde immer stärker. Also drehte ich mich nach mehreren Liedern wieder um – der junge Mann war verschwunden. Wieder sang ich mit, das Gefühl verschwand nicht. Ich schaute mich noch mal um – der Jugendliche blieb verschwunden. Mir wurde es zu dumm. Also betete ich: “Gott, wenn du das wirklich willst, dass ich den anspreche, dann musst du auch dafür sorgen, dass er wiederkommt!”

Hören auf Gott

In dem Moment (heute klingt das irgendwie komisch, wenn ich das schreibe) ging die Tür auf – und der fröhliche junge Mann trat wieder ein. Wieder unterhielt er sich angeregt, lachte zwischendurch. Ich fasste meinen Mut und ging zur Tür. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich damals noch nicht einmal den Namen kannte. Etwas schüchtern sprach ich ihn an: “Es mag sein, dass ich mich jetzt völlig zum Löffel mache, aber ich habe das Gefühl, dass Gott mir gesagt hat, ich solle dich ansprechen. Ist alles in Ordnung mit dir?”

Ich erwartete, ausgelacht zu werden. Aber stattdessen verzog sich das Gesicht des Jungen – und er begann vor seinen Kumpels bitterlich zu weinen. Er war in einer furchtbaren Lebenskrise und absolut dankbar, dass ich ihn angesprochen hatte. Gott hatte wirklich zu mir geredet.

Demut

Gott hat mich zwei Dinge gelehrt an diesem Abend: Demut – Gott lässt sich von meinen Vorstellungen nicht limitieren und Offenheit – wenn ich rede und höre, dann kann es auch sein, dass Gott antwortet. Wenn ich dann darauf reagiere, dann wird das zum Segen.

Ich wünsche dir, dass du erlebst, dass Gott redet, wenn du ihn lässt, dass er dich leitet, wenn du auf seinen Geist hörst, dass du zum Segen wirst, wenn du dann auch tust, worum er dich bittet.

Sei gesegnet!

Weitere Gedanken zum Tag zum selbst Lesen oder weiterleiten: https://juergens-gedanken.blogspot.com

Jürgen Ferrary für GottinBerlin.de