Wunder

Ich muss es in aller Härte zugeben: Ich bin naiv, kindlich und habe eine schlechte Theologie. Zumindest wurde mir das gerade attestiert. Warum? Weil ich an Wunder glaube. Wir sprechen gerade über das Thema Himmelfahrt. Eine Kollegin, die ich sehr mag, formuliert einen Satz, der mir doch etwas aufstößt. Sie sagt sinngemäß: “Lukas schreibt die Geschichte von Himmelfahrt, weil Jesus ein ganz besonderer Mensch war.”

Mir ist das irgendwie zu wenig – weil eben Himmelfahrt gar nicht vorkommt. Es heißt doch: “Noch während Jesus sie segnete, verließ er sie und wurde in den Himmel aufgenommen…” Irgendetwas Gewaltiges, Lebensveränderndes musste doch stattgefunden haben, dass dieser Text es in die Bibel geschafft hatte.

Urteil

Ich will meine Kollegin nicht vor den Kopf hauen, aber ganz so möchte ich es auch nicht stehenlassen. Wahrscheinlich ohne zu wissen, dass sie mich damit trifft, antwortet sie: “Wer glaubt, dass Jesus wirklich in den Himmel aufgefahren ist, der ist naiv und kindisch. Kein guter Theologe würde heutzutage noch so etwas behaupten!” Da war es also das Urteil über mich.

Bedeutung

Ich bin deswegen absolut nicht verletzt. Aber es hat mich zum Nachdenken angeregt. Was bedeuten die Wundergeschichten der Bibel – wie Himmelfahrt – für mich? Und was bedeutet es für mich, naiv und kindlich in meinem Glauben zu sein oder auch ein schlechter Theologe? Mein Ergebnis: Dann ist es so.

Vatertag

Natürlich klingt der Text ziemlich merkwürdig. Da segnet Jesus seine Jünger und wird emporgehoben. Natürlich denke ich nicht, dass plötzlich die Raketentriebwerke gezündet wurden und er pfeilschnell nach oben flog. Aber ich glaube, dass an diesem Tag etwas Großartiges geschehen ist. Der Sohn ist zu seinem Vater zurückgekehrt – deswegen feiern viele heute ja auch Vatertag.

Keine Zweifel

Jesus ist nicht mehr sichtbar auf der Erde – dennoch lebt er und ist mitten unter uns. Wie das damals passiert ist, weiß ich nicht. Aber, dass es geschehen ist, daran habe ich keinen Zweifel. Damit mag ich keiner der Theologen sein, die Vers für Vers, Satz für Satz und Buchstaben für Buchstaben auseinandernehmen und wieder zusammensetzen mit den unterschiedlichsten Ergebnissen.

Auf Jesus einlassen

Ich bin einer der Christen, der fest daran glaubt, dass Gott ein Gott ist, der Wunder tut. Theologie ist wichtig. Aber Theologie bedeutet, Dinge von außen zu betrachten. Glaube ist etwas anderes. Glaube heißt, sich auf Jesus einzulassen. Theologie kann versuchen, Erklärungen zu finden, ob Petrus wirklich über das Wasser gelaufen ist, oder ob die Bibel damit eine andere Botschaft verkünden möchte – ob Jesus Kranke wirklich geheilt hat oder ob es der Bibel darum geht, dass wir lernen, unsere Krankheiten zu akzeptieren.

Kindlich – naiv

Und ebenso, ob Jesus ein guter, besonderer Mensch war – oder der Sohn Gottes, der nach seiner Auferstehung wieder zu seinem Vater zurückgekehrt ist (wie auch immer das geschehen sein mag). Ja, ich bin Theologe, aber ich möchte es mir erhalten, kindlich naiv zu sein. Ich glaube fest an Wunder und habe schon so einige erlebt. Und ich strecke mich weiter aus nach den Wundern Gottes – vielleicht weniger, dass ich versuche, über den Wannsee zu laufen (ich habe den Ruf Jesu auch noch nicht gehört, das zu tun), aber zum Beispiel, indem ich für Kranke bete oder für Menschen, die in schlimmen Situationen sind oder auch um Weisheit für die, die Entscheidungen zu fällen haben.

Ganz Kind sein

Hier möchte ich ganz Kind (Gottes) sein, das voller Vertrauen zu seinem himmlischen Vater kommt. Und ganz ehrlich: Dabei spielt es für mich gar keine große Rolle, wie Himmelfahrt damals so ganz genau abgelaufen ist. Gott war da, Gott hat ein Wunder getan, die Freunde von Jesus haben erkannt und “waren voller Freude” – wie es weiter heißt.

Und genau das möchte ich auch erleben – und dafür lasse ich mich auch gerne als kindlich und naiv bezeichnen.

Was könnte dein Next Step sein, damit dein Vertrauen wächst und die Zweifel abnehmen? Was müsste Gott tun, wie müsste er eingreifen?

Ich wünsche dir einen schönen Vatertag, äh Himmelfahrtstag.

Sei gesegnet!

https://juergens-gedanken.blogspot.com/

Jürgen Ferrary für GottinBerlin.de