Leuchte

Wenn man zu jemandem sagt, er / sie wäre “nicht gerade eine große Leuchte”, dann bedeutet das laut “Redensarten-Index”, dass diese(r) “ein wenig beschränkt / leicht dumm / besonders klug” ist. Klar, eine “kleine Leuchte” wollen wir deshalb nirgendwo in unserem Leben nicht sein. Entweder wir leuchten wie ein Scheinwerfer – oder wir tun zumindest so – oder wir lassen es eben.

Anderen Überlassen

Meistens ist es ja auch einfach, Dinge zu lassen, weil wir sie den großen Leuchten überlassen können. Überall gibt es “Profis”, die es sowieso besser machen. Dann ist alles nur noch eine Frage des Geldes.

Reise des Glaubens

Ich habe eine ganze Reihe sogenannte “Alphakurse” geleitet, 12 Wochen lang machte ich mich mit Leuten, die sonst mit Kirche und Co. eher wenig zu tun hatten auf eine Reise, den Glauben kennenzulernen. In einer “Einheit” (das klingt alles nach Kopf und Langeweile: Kurs, Einheit … war es aber absolut nicht) ging es genau um das Thema, dass Jesus uns Christen gesagt hat: “Ihr seid das Licht der Welt – wie eine Stadt auf einem Berg, die in der Nacht hell erstrahlt, damit alle es sehen.” (Matthäus 5,14).

Experiment

Da war es wieder, dieses Gefühl: Das ist doch eine Sache für Profis. Dafür gibt es doch Pastoren oder zumindest Leute, die dafür bezahlt werden. Wo es möglich war, machte ich an dieser Stelle ein kleines Experiment. Ich verdunkelte den Raum und zündete in einer Ecke ein kleines Teelicht an.

Was eigentlich jeder wusste, brannte sich dadurch tief ins Herz der Teilnehmer ein: Wenn man sich nicht hinter einem Schrank versteckte, dann sah man das Licht der kleinen Kerze von überall im Raum. Selbst, wenn man das Licht versuchte zu verbergen, so drang der Lichtschein immer hervor – es sei denn, man sperrte die Flamme in eine kleine Kiste, in der sie dann schnell erlosch.

Anzünden und brennen

Ich muss keine “große Leuchte” im Glauben sein, weder Pastor noch Papst, um zu leuchten. Ich muss – wie die Kerze – angezündet sein und brennen. Und es wird Zeiten geben, wo ich hell strahle, wie ein großer Kandelaber und Zeiten, in denen ich eher ein kleines Teelicht bin. “Alles hat seine Zeit” – heißt es in Prediger 3.

Verbergen wir unser Licht?

Leider verbergen wir unser Licht viel zu oft. Es ist uns manchmal peinlich, wenn andere herausfinden, dass wir glauben. Manchmal ist die Reaktion anderer auch nicht gerade positiv. Vielleicht haben wir auch Angst, dass wir nicht genug wissen oder nicht die richtigen Worte finden, wenn andere uns auf den Glauben ansprechen – oder wir denken: Wir haben gar keine krasse Story, die wir präsentieren können – kein spektakuläres Wunder, keine krasse Heilung…

Wer leuchtet?

Darum geht es aber auch nicht. Es geht darum, dass Gott in uns wirken möchte. Er selbst entzündet den Glauben, wenn wir ihn einladen. Er selbst kümmert sich um diese kleine Flamme, die dann plötzlich in uns ist. Er schenkt es uns, dass Vertrauen zu ihm wächst. Und nicht wir leuchten, sondern er – Gott – will in uns und durch uns leuchten. Du musst nicht leuchten, Gott strahlt!

Strahlkraft

Und die Menschen um dich herum werden dieses Leuchten genau so sehen – egal, wie groß, egal, wie klein, eben so, wie man eine Kerze – egal ob klein oder groß – in einem dunklen Raum leuchten sieht. Man darf nur nicht versuchen, das Licht zu verbergen.

Deswegen frage dich doch mal: “Na, heute schon gestrahlt?” Ich wünsche dir ganz viel Strahlkraft!

Sei gesegnet!

Weitere Gedanken sowie ein Song zum Tag – zum selbst Lesen oder weiterleiten – gibt es hier: https://juergens-gedanken.blogspot.com

Jürgen Ferrary GottinBerlin.de