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Was ziehe ich an?

Gestern war ich in eine Gemeinde in Falkensee zum Predigen eingeladen. Ich hatte mir im Vorfeld dieses Mal genau überlegt, was ich anziehen würde, denn, als ich das letzte Mal in dieser Gemeinde war, wurde ich von einem älteren Herrn angesprochen. “Na, wo ist denn Ihr Anzug?”, hatte er mich ein wenig schnippisch angesprochen. 

Meist predige ich in einer “normalen” Hose mit Sakko und darunter ein Hemd oder Polo-Shirt. Ich möchte schon ordentlich aussehen, mich aber von den Menschen, die den Gottesdienst besuchen, auch nicht abheben. Ich bin doch einer von ihnen, nicht jemand, der sich durch besondere Kleidung hervorheben muss (wie ein Richter vor Gericht zum Beispiel). 

Das schien dem älteren Herrn zu missfallen – also überlegte ich und entschied mich dieses Mal doch für einen Anzug. Die Krawatte ließ ich dann aber dann doch im Schrank. Der Gottesdienst hatte noch nicht begonnen, dann geschah, womit ich nicht gerechnet hatte: Ich wurde wieder auf mein Outfit angesprochen. 

Bunte Sachen

“Schade, dass du in so einer langweiligen, eintönigen Farbe herumläufst. Schau mal nach draußen zur Garderobe. Da hängen so viele schöne, bunte Sachen. Wäre das nicht auch einmal etwas für dich?” Ich lächelte freundlich und sagte, ich würde mir das für das nächste Mal überlegen. 

Dass man auf das, was man trägt, angesprochen wird, ist nichts Ungewöhnliches. Dass es unterschiedliche Geschmäcker gibt, auch nicht. Auch unterschiedliche Ansichten, wie denn ein Mann, der predigt, auszusehen hat, sind ganz normal. Aber eine Sache hat mich dann doch erstaunt:

Der Mann, der sich dieses Mal ein Stück beschwerte, ich wäre ihm nicht bunt genug, war derselbe Mann, der das Mal davor gefragt hatte, wo denn mein Anzug sei. Das verwirrte mich und macht es mir dann doch noch einem schwerer bei der Frage, was ich denn im Juni anziehe, wenn ich wieder in Falkensee predigen darf. 

Anekdote

Eine kleine Anekdote, die aber viel über uns Menschen aussagt. Wie sehr achten wir doch auf Äußerlichkeiten. Jemand, der Kleidung anhat, die wir ablehnen, hat es schwerer, uns mit seinen Worten anzusprechen, als jemand, bei der für unsere Augen angenehm aussieht. Ich ziehe zum Beispiel absolut ungern einen Talar an, weil der für mich Langeweile ausstrahlt und Trauer. 

Dabei sollte doch das zählen, was in uns ist. “Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar”, so heißt es im “Kleinen Prinzen” von Antoine de Saint Exupéry. Wie wahr. 

Petrus schreibt: “Macht euch keine Sorgen um äußere Schönheit, die auf modischen Frisuren, teurem Schmuck oder schönen Kleidern beruht. Eure Schönheit soll von innen kommen – das ist die unvergängliche Schönheit eines freundlichen und stillen Herzens, das Gott so sehr schätzt” (1. Petrus 3, 3-4).

Vielleicht sollte ich mehr darauf achten, von innen Schönheit auszustrahlen, als mir zu sehr Gedanken zu machen, was ich anziehen soll. Und sicherlich gibt es Menschen, denen das dann wichtiger ist, als die Frage, ob ich einen Anzug trage oder bunte Klamotten. Wir sind Licht, wenn Jesus in uns lebt und aus uns heraus strahlt – das ist doch, was zählt. 

So und jetzt gehe ich an den Kleiderschrank und schaue, was ich heute für den Tag anziehen werde. 

Sei gesegnet!

Weitere Gedanken und einen Song zum Tag gibt es hier: – zum selbst Lesen oder Weiterleiten – https://juergens-gedanken.blogspot.com

Jürgen Ferrary für GottinBerlin.de