Hund Flori

Wenn ich an den Begriff Demut denke, dann fällt mir dabei als erstes unser Hund ein, mit dem ich aufgewachsen bin. Flori – so hieß er – mochte mich nicht, zumindest nicht, wenn ich mit ihm raus gehen sollte. Ständig und immer wieder ist er mir weggelaufen. Ich muss damals sehr sportlich trainiert gewesen sein, so oft, wie ich ihm hinterher gerannt bin, um ihn wieder einzufangen. 

Wenn er dann irgendwann wieder zu Hause auftauchte – spätestens, wenn er Hunger hatte, stand er immer vor der Tür und winselte – dann war er das, was ich damals mit dem Begriff “demütig” in Verbindung gebracht habe. Er zog den Schwanz ein, ließ den Kopf hängen und ertrug tapfer die Strafe. Meist wurde er mit einer Zeitung von meiner Mutter “vermöbelt”. 

Was ist Demut?

Dieses Bild von “Demut” hat sich tief in mein Herz eingebrannt. Jemand “demütigt” jemanden anderes. Ich habe als Kind oft andere Kinder gedemütigt, indem ich sie beleidigte, sie ärgerte oder sogar schlug (ja, ich war alles andere, als ein einfaches Kind). Aber waren die Kinder deswegen demütig? Wohl kaum. 
Als ich vor ein paar Jahren mit einem Schiff von Mittelamerika zurück nach Europa gefahren bin, hatte ich ein merkwürdiges Gefühl im Herzen. Mir wurde bewusst, wie groß die Erde ist. Tagelang waren wir auf dem Meer unterwegs, ohne Land oder auch nur ein anderes Schiff zu sehen. Das hat mich gelehrt, was Demut ist. 

Ich bin “nur” ein Mensch

Ich denke zwar vielleicht ab und an, ich wäre der Nabel der Welt, aber, ich bin “nur” ein Mensch. Und das ist auch nicht schlimm, denn das bedeutet auch, dass ich nicht Herr über alles sein muss. 

Sorge und Angst

Die Corona-Krise bringt uns emotional leicht an die Grenzen, wenn es darum geht, dass uns liebe Menschen erkranken, wenn die Angst um die eigene Gesundheit oder die Sorge um den Arbeitsplatz Raum in unserem Leben einnehmen. 

Auch das macht demütig, denn es zeigt: Es gibt Dinge, die habe ich nicht in der Hand. Gestern noch wähnte ich mich in Sicherheit – und heute ist alles vielleicht anders. Niemand hätte noch vor ein paar Monaten gedacht, dass die Welt so durchgeschüttelt wird. 

Für alles verantwortlich?

An der Demut festhalten bedeutet für mich eben zu erkennen, dass ich nicht alles leisten muss, dass ich nicht alles kann, dass ich nicht für alles verantwortlich bin. Ich kann (und sollte) mich gesund ernähren – ich weiß aber dennoch nicht, ob und wann Krankheit und Tod mich treffen. Ich kann ein vorbildlicher Mitarbeiter sein. Dennoch kann eine Krise, auf die ich keinen Einfluss haben meinen Arbeitsplatz gefährden. 

Demuts-Haltung

Diese Demuts-Haltung entlastet mich, weil Gott ein liebender Vater ist, der sich kümmert, der Verantwortung übernimmt, der mich trägt, wenn es schwer wird, der aber auch Prioritäten zurecht rückt, der versprochen hat: Ihr dürft sicher sein: Ich bin immer bei euch, bis das Ende dieser Welt gekommen ist! (Matthäus 28,20)

An der Demut festhalten heißt: Ich lasse Gott sein, wer er ist: Gott. Und ich bleibe, wer ich bin: Mensch, und Gottes Kind. Das macht mich demütig und wird mein Herz verändern.

Ich wünsche dir Zuversicht, ein hoffnungsvolles, demütiges Herz und ganz viel Liebe Gottes. Sei gesegnet!

Jürgen Ferrary für gottinberlin.de