Mann steht auf der Straße vor einem Mercedes

Trösten

Ich habe heute eine wirklich tragische Beerdigung vor mir. Beerdigungen sind immer tragisch, aber heute beerdige ich eine Frau, deren Sohn ich genau vor einer Woche zu Grabe getragen habe. Das Leid, das die Familie im Moment durchmachen muss, ist kaum vorstellbar. Die Trauer ist groß. Was soll ich diesen Menschen auf dem Friedhof mitgeben, das sie tröstet, das sie nach vorne blicken lässt?

Ich bin dabei auf einen Vers aus der Bergpredigt gestoßen. Jesus ruft seinen Zuhörern zu: “Glücklich sind die, die trauern, denn sie werden getröstet werden!” (Matthäus 5, 4 HfA). 

Das klingt erst einmal nach einem Widerspruch. Menschen sollen glücklich sein, weil sie trauern? Wohl kaum! Vielmehr bedeutet es, dass Trauernde glücklich sein können, weil sie den Trost Gottes erfahren können. Gott ist kein unpersönlicher Gott, der zusieht, was auf der Erde alles geschieht. 

Gott ist ein Gott, der mitleidet und der trösten möchte. 

Starke Gottes-Nähe

In der Trauer erleben Menschen immer wieder eine starke Gottes-Nähe, seine Hand, seine Geborgenheit. Drei Aspekte sind mir dabei wichtig geworden: 

1. Trauer braucht Zeit. 

Es ist – so gut, wie es auch gemeint ist – nicht hilfreich, trauernden Menschen zu sagen: “Du musst glauben! Gott ist für dich da!” Man kann nicht glauben, indem man einfach einen Schalter umlegt. Wenn die Menschen Glauben haben würden, würden sie glauben. Mit solchen Plattitüden mache ich anderen nur ein schlechtes Gewissen.

Glaube ist ein Prozess – und Zeiten der Trauer können Zeiten sein, in denen unser Glaube beginnt und wächst. Wenn wir unsere Trauer und unseren Schmerz Gott klagen, dann werden wir erleben, dass er da ist, zuhört und antwortet. Und das lässt Glaube wachsen. Trauer und das Klagen über die Trauer kann der Beginn meines Wachstums im Glauben sein. Wenn ich anfange, Gott meine Gefühle zu geben, dann kann er anfangen, mir ein neues Gefühl für Glauben zu geben. Aber es beginnt damit, dass ich ehrlich bin und Schmerz zulasse. Wir können uns unsere Umstände nicht aussuchen. Aber wir können entscheiden, wie wir mit belastenderen Umständen umgehen.

2. Wir trauern unterschiedlich

Wir Menschen sind nicht gleich, deswegen ist die Art, wie wir trauern sehr unterschiedlich. Ich bin zum Beispiel jemand, den du kaum trauern sehen wirst, weil ich mich in schweren Zeiten zurückziehe und alleine sein möchte. Andere trauern im Beisein ihrer Lieben. 

Unsere Trauer ist ein bisschen wie unser Fingerabdruck. Er ist einmalig. Niemand trauert genau so, wie du. Aber egal, auf welche Art du trauerst – ob du dich zurückziehst, ob du vor uns mit anderen weinst oder laut schreist – es ist wichtig, dass du deine Art findest und dass du trauerst, denn wenn du nicht trauerst, wirst du nicht den Horizont hinter deinem Leid sehen. “Glücklich sind, die trauern, denn sie werden getröstet werden”. Wenn du trauerst, wirst du sehen und erleben, dass Gott größer ist, als der Schmerz durch den du gerade durch musst.

3. Gott hat versprochen, uns in unserem Schmerz zu trösten

Wenn ich auf Beerdigungen predige, dann überlege ich mir oft, was ich sagen kann, um den Menschen Hoffnung zu geben, wie sie nach vorne in die Zukunft schauen können. Dabei sagt Jesus hier ganz deutlich, dass es wichtig ist zu trauern, denn in Zeiten der Trauer erlebe ich Gottes Trost. Wenn ich selbst nach vorne schaue, kann es passieren, dass ich Gott gar keine Chance gebe einzugreifen. Wenn ich nicht trauere, dann lehne ich das Wunder Gottes, sein Geschenk, nämlich mich zu trösten, ab.

Glaube beginnt oft mit oder durch Trauer. Wenn du gerade mit Trauer und Scherzen und Trauer zu kämpfen hast, dann nimm dir die Zeit zu trauern. Klage Gott, was dich belastet. Sprich aus, was dich bewegt. Dann wirst du erleben, dass du nicht alleine bist. Gott ist da.

Sei gesegnet!

Weitere Gedanken und einen Song zum Tag gibt es hier: – zum selbst Lesen oder Weiterleiten – https://juergens-gedanken.blogspot.com

Jürgen Ferrary für GottinBerlin.de