Männer im Gespräch

Ziemlich verrückt

Toni kam ganz stolz zum Jugendkreis, denn er hatte etwas ziemlich Verrücktes getan. Er war damals erst ziemlich frisch Christ geworden. Eigentlich wollte er ja nur mal vorbeischauen, was wir so machen – mit dem Glauben wollte er nichts zu tun haben. Aber er hatte sich irgendwann für Jesus entschieden und ihn in sein Leben eingeladen und wollte sich von Gott berufen lassen. Von da ab kam Toni sehr regelmäßig und berichtete darüber, was er alles mit Gott erlebt hatte.

Und in dieser Woche kam er mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht in unseren Jugendraum. Er konnte es kaum abwarten, bis alle da waren, und er loslegen konnte, wo er sich von Gott berufen fühlte. Toni erzählte, er wäre mit der U-Bahn unterwegs gewesen, als er plötzlich den Drang verspürt hätte, anderen Menschen von seinem Glauben zu erzählen. Ich dachte noch: “Na, hoffentlich hast du nichts gemacht, für was ich mich fremdschämen muss…”

Er wäre in der vollen U-Bahn aufgestanden und hätte laut angefangen zu predigen. Mir lief es ganz kalt den Rücken runter. Horror-Bilder entstanden in meinem inneren Auge. Ich sah Skin-Heads, die unseren Toni verprügeln würden, U-Bahn-Sicherheitsmitarbeiter, die ihn aus dem Zug schleiften oder gar Männer mit weißen Kitteln, die ihn wegbrachten.

Was hast du den Leuten erzählt?

Vorsichtig fragte ich: “Was hast du den Leuten denn erzählt?” Ich hatte die anderen Kids im Blick und wollte nicht, dass gerade die Jüngeren denken würden, ein Christ müsse solch verrückte Sachen machen.  Toni antwortete: “Es war ganz komisch. Ich habe einfach angefangen zu reden, und dann war das so, als würden die Worte einfach aus dem Mund fließen!”

Ich hatte auch einen Satz auf den Lippen: “Liebe Kinder – bitte zu Hause nicht nachmachen”, fragte aber vorsichtig: “Wie haben denn die anderen Leute reagiert? Hast du Stress bekommen?” Tonis Antwort verblüffte mich total: “Nein, überhaupt nicht. Die Leute haben sich gefreut und haben fröhlich zugehört und ich fühlte mich berufen von Gott!”

Dankbarkeit

Das war eine der Stunden, die mich sehr dankbar gemacht haben, dass ich damals Jugendarbeit machen durfte, denn der, der am meisten gelernt hatte, war ich! Tonis Erlebnis erinnert mich an Jona, der erst vor dem Auftrag von Gott weggelaufen war. Doch, nachdem er mit einem Boot fast gekentert war, über Bord geworfen wurde und in einem riesigen Fischbauch gelandet und gerettet war, heißt es von ihm:

“Diesmal machte sich Jona auf den Weg nach Ninive, wie der HERR es ihm befohlen hatte. Die Stadt war so groß, dass man drei Tage brauchte, um sie zu durchqueren. Jona ging in die Stadt hinein, und nachdem er einen Tag lang gelaufen war, rief er: »Noch vierzig Tage, dann legt Gott Ninive in Schutt und Asche!« Da glaubten die Einwohner von Ninive an Gott. Sie beschlossen zu fasten, und alle, von den einflussreichsten bis zu den einfachen Leuten, zogen als Zeichen ihrer Reue Kleider aus grobem Stoff an” (Jona 3, 3 – 5).
 

Die Befähigten werden nicht von Gott berufen

Ich gebe offen zu: Ich bin dankbar, dass Gott mich noch nie dazu berufen hat, in der U-Bahn aufzustehen und zu predigen. Ich finde das bis heute verrückt. Aber die Geschichte von Jona (wie die Geschichte von Toni)  zeigt mir, dass Gott uns segnet, wenn er uns beruft und wir tun, um was er uns bittet. Der ZDF Moderator Peter Hahne hat einmal gesagt: “Gott beruft nicht die Befähigten, er befähigt die Berufenen.”

Bin ich bereit?

Die Fragen die sich stellen sind nur: Bin ich überhaupt bereit, mich beauftragen zu lassen – oder ist mir das viel zu unbequem meine Komfort-Zone zu verlassen? Bin ich bereit, auf Gott zu hören – oder möchte ich nur, dass Gott mich hört? Und bin ich auch bereit zu gehen und zu tun – oder erwarte ich, dass Gott immer zu mir kommt und mich in meinem Kämmerlein segnet?
 

Frage Gott, was du tun sollst

Wenn du bereit bist, dann rede mit Gott darüber und frage ihn, was du tun sollst. Und dann mal schauen, was er sagt. 
 
Sei gesegnet!

Weitere Gedanken und einen Song zum Tag gibt es hier: – zum selbst Lesen oder Weiterleiten – https://juergens-gedanken.blogspot.com

Jürgen Ferrary für GottinBerlin.de