Tanken

Einmal bin ich auf der Autobahn liegen geblieben, weil mir der Sprit ausgegangen war. Das war eine Lehre, die ich so schnell nicht vergessen werde. Ich fuhr einen älteren Mann mit seinem VW-Bus von Italien zurück nach Deutschland. Irgendwann ging das kleine Warnlämpchen an, ich solle demnächst tanken fahren.

Also hielt ich Ausschau nach einer Tankstelle. Aber irgendwie kam keine. Ich fuhr langsamer, um Sprit zu sparen, aber Kilometer um Kilometer war kein rettendes Schild zu sehen. Irgendwann fing der Motor an zu stottern – und ich fuhr mit Warnblinker auf den Standstreifen.

Für was ist man im ADAC, dachte ich mir und rief bei der Pannen-Hotline an. Dort sagte man mir, solch ein Einsatz müsse auch als Mitglied bezahlt werden, da ein leerer Tank ja eindeutig mir selbst zuzuschreiben wäre. Ich könne ja zur nächsten Abfahrt laufen. Dort wäre in der Nähe dann eine Tankstelle.

Kilometer können ganz schön lang sein

Also lief ich los. Und lief – und lief – zwei Kilometer können ganz schön lang sein. Und allein nur die Autobahnabfahrt hinunterzulaufen, bedeutet noch mal einen ziemlich langen Weg. Irgendwann kam ich an die Landstraße und lief in Richtung Ort. Ich hatte mega Glück, denn ein Auto hielt neben mir und brachte mich quasi bis an die Zapfsäule.

Die Tankstelle war gerade dabei zu schließen. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was gewesen wäre, wenn ich die ganze Strecke gelaufen wäre, um dann nur einige Minuten zu spät zu kommen. Nächstes Problem: Ich hatte keinen Kanister.

Um es kurz zu machen, die Leute von der Tankstelle waren super nett, ich war im Besitz eines gebrauchten, aber vollen Kanisters mit Diesel und wurde sogar noch bis zur Autobahnabfahrt gefahren. 
 
Über Jahre hinweg bekam ich diese Geschichte von dem alten Mann wieder und wieder zu hören. Kaum waren wir losgefahren – egal wo hin – hörte ich: “Achte bitte auf den Tank. Haben wir noch genug Sprit?”

Warnlichter

Mit dem Auto passiert so etwas – glaube ich – nur einmal im Leben. In unserem Alltag hingegen leben wir oft über unsere Reserven hinaus. Wir sehen die Warnlichter nicht, müssen funktionieren und versuchen meist erst aufzutanken, wenn es schon viel zu spät ist. Burnout ist zur Volkskrankheit geworden.

Bedürfnisse

Als Jesus zu einer großen Menschenmenge auf einem Berg predigt, sagt er, wir sollten uns keine Sorgen machen um das, was wir zum Leben brauchen: “Euer himmlischer Vater kennt eure Bedürfnisse” (Matthäus 6,32).

Gott lässt auf verschiedene Arten und Weisen Warnleuchten in unserem Leben aufleuchten: “Pass auf, dein Akku ist bald alle! Geh auftanken!” Und er weiß, was wir brauchen. Ein Pferdewagen hat an einer Tankstelle so wenig zu suchen wie ein Auto in einem Stall. Gott weiß, was wir brauchen.

Sorgt euch nicht …

Aber wir müssen auf die Warnsignale hören und darauf reagieren. “Sorgt euch nicht…”, bedeutet dann, dass das Leben auch dann weitergehen muss, wenn ich eine Auszeit nehme. Wie oft denke ich: Ohne mich geht alles den Bach runter. Tut es aber nicht! Dein himmlischer Vater kennt deine Bedürfnisse. 

Unterbrechung

Tanken gehen bedeutet immer, den normalen Fluss der Reise zu unterbrechen und anzuhalten (es mag sein, dass das in der Zukunft anders sein wird) – Auftanken bedeutet das auch.

Geh an die richtige Zapfsäule

Nimm dir regelmäßig Zeit, bevor es zu spät und dein Akku alle ist, um aufzutanken. Geh dann an die richtige Zapfsäule. Sport machen? Super! Theater oder Kino? Großartig! Im Wald spazieren gehen? Gut für die Seele! Freunde oder Familie treffen? Nicht immer entspannend. Stille Zeit mit Gott verbringen? Das bedeutet wirklich aufzutanken – dann machen all die anderen Sachen auch viel mehr Spaß.

Nimm dir Auszeiten – die Welt geht ohne dich nicht unter. Geh rechtzeitig tanken. Genieße dein Leben!

Sei gesegnet!

 

Weitere Gedanken und einen Song zum Tag gibt es hier: – zum selbst Lesen oder Weiterleiten – https://juergens-gedanken.blogspot.com

Jürgen Ferrary für GottinBerlin.de

Heute mal eine alte Hymne in einer wirklich genialen Version: