Angst vor dunklen Mächten

Wer am 31. Oktober statt der Reformation zu gedenken lieber Halloween feiert, sollte sich dessen bewusst sein, dass dieser alte irische Brauch auf Angst zurückzuführen ist. Man hatte Angst vor dunklen Mächten, Dämonen und sowas. Die Reformation durch Martin Luther hat genau die Gegenbewegung zur Angst zum Thema.

Kontrollbedürfnis

Darum geht es dem heutigen Menschen in seiner Existenzangst. Was wird aus meiner Arbeitsstelle, meiner Rente, meiner Gesundheit? Angsterkrankungen entstehen, das zeigt die ganze Psychosomatik, zuhauf aus dieser Verunsicherung, das Leben, die Wirklichkeit nicht im Griff zu haben. Damals, das ist unbestritten, war es vor allem die Kirche, die mit Angst gearbeitet hat, um den Menschen den Mächtigen gefügig zu machen. Christus, der gestrenge Richter, der jeden, der nicht spurt, in die Hölle wirft. Damals glaubten alle an Gott und so konnte man den Schöpfer allen Daseins als Machtinstrument missbrauchen. Die Reformation hat dem um 180 Grad entgegengesteuert. Gott ist der Vertrauenswürdige, dessen Liebe dem Menschen heilsam liebend und somit heilend und angstbefreiend begegnet.

Wer macht heute Angst?

Das Paradox der Neuzeit ist eine Sehnsucht nach Freiheit, die Gott abgeschafft oder zumindest auf ein Abstellgleis verfrachtet hat. Er ist maximal noch sowas wie ein Kulturgut. Wie sehr der Mensch, der darin seine Freiheit erreichen wollte, zum Gegenteil gelangt ist, beweisen die Leute auf der Straße. Keine Angst mehr vor der Hölle und das ist auf jeden Fall gut so. Aber die Angst, zu kurz zu kommen, nicht geliebt und anerkannt zu werden. Die Angst vor der Zukunft, sprich Lebensangst. Der Mensch, der sein Dasein „kraft seiner Wassersuppe“ in die Freiheit, die Selbst-Gerechtigkeit führen will und damit das Gegenteil erreicht. Gewählt werden Politiker, die die Angst groß malen und eine Sicherheit versprechen, die sie nie gewährleisten können. Außer, wie sie meinen, durch Kontrolle und Überwachung. Notfalls durch Kriege, die die Bosheit in dieser Welt aus dieser Welt schaffen sollen – ein Widerspruch in sich selbst. Darin steht man der damaligen Katholischen Kirche in nichts nach.

Freiheit durch Vertrauen

Dass Vertrauen den Menschen von Angst befreit, ist eine psychologische Tatsache. Nur wer oder was ist vertrauenswürdig? Die Politik? Die Börse? Die Anlageberater? Nein! Das genau hat die Reformation herausgearbeitet. Dass der Fels, auf den man bauen kann, nicht von dieser Welt ist. Der Gott, der sich am Kreuz an unserem neurotischen Wahnsinn, unserer Angst, die uns mörderisch macht, zu Tode geliebt hat, ist der Vertrauenswürdige, der durch das Leben und darüber hinaus durchträgt. Hier ist wahre Freiheit, die mich angstfrei entfalten lässt.

Wenn du dich am 31. unbedingt verkleiden und besaufen willst, kannst du das tun. Aber denk wenigstens einmal kurz daran, dass wir Christen unsere ungekünstelte Freiheit durch und mit unserem Jesus feiern. Ich find, ich bin auf der besseren Seite.

Thomas Nachtigall für GottinBerlin.de