Frau steht mit verschränkten Armen am Bach

Schuldzuweisung

Ich glaube, die vier Worte, bei denen es uns am schwersten fällt, sie zu sagen, lauten: „Es tut mir leid!“ Es ist leichter, mit dem Finger auf andere zu zeigen, als selbst Verantwortung zu übernehmen. Sofort ist die Schuldzuweisung beim anderen! Wenn wir mit unserer Tochter schimpfen, dann folgt fast immer eine Antwort, die beginnt mit: „Aber Joshua …“ – und wenn wir mit ihm schimpfen, dann antwortet er fast immer mit: „Aber Sarah…“

Das kenne ich aus meinem eigenen Leben auch. Wann immer etwas schieflief, waren andere daran Schuld. In der Schule, wenn ich dabei erwischt wurde, dass ich Mist gebaut habe im Kleinen wie im Großen, dass mein Leben deswegen so verkorkst war, weil meine Eltern mich schlecht in dieses Leben haben starten lassen. Leicht geht die Schuldzuweisung zum anderen über die Lippen. Aber eingestehen, dass wir Mist gebaut haben, fällt sehr schwer.

Die Wurzeln davon liegen aber noch viel tiefer: Als Gott den ersten Menschen ein Paradies gegeben hatte, um sie zu versorgen, lief alles schnell aus dem Ruder und endete in einer Katastrophe. Als der erste Mann, Adam, daraufhin von Gott zur Rede gestellt wurde, kamen nicht die vier schwierigen Worte – „Es tut mir leid!“. Nein, Adam schob die Verantwortung billig von sich und beschuldigte die erste Frau, Eva: „Die Frau, die du mir gegeben hast, ist schuld daran!“ (1. Mose 3, 12 HfA). Auch die übernahm nicht die Verantwortung, sondern auch sie schob die Verantwortung weiter: „Die Schlange hat mich dazu verführt!“, verteidigte sie sich (1. Mose 3, 13 HfA). Hier begann das Übel mit der Schuldzuweisung.

Einsicht und Verantwortung

Solange wir keine Verantwortung übernehmen, sondern andere für die Misere in unserem Leben verantwortlich machen, werden wir uns im Kreis drehen und dieses Rad nie verlassen, denn: Niemand anderes ist für mein Leben verantwortlich als ich selbst – und niemand anderes ist für dein Leben verantwortlich als du!

Oft kommt bei der Schuldzuweisung dann Gott ins Spiel, denn Gott hätte doch eingreifen, verhindern, bewahren können. Aber mal ehrlich: Welche Rolle hatte Gott, als die Katastrophe geschah? Hielt er das Steuer meines Lebens in der Hand? War er Co-Pilot, Passagier – oder war er nur Statist und Zuschauer?

Sprüche 19, 3 (GNB) bringt es auf dem Punkt: „Manche bringen sich durch eigene Torheit in Schwierigkeiten, aber die Schuld schieben sie dem Herrn zu.“ Es ist wichtig, aufzuhören anderen Schuld in die Schuhe schieben zu wollen, und anzufangen, selbst Verantwortung zu übernehmen. Und das beginnt, dass ich Gott die Rolle gebe, die ihm gehört – wenn er am Steuer sitzt, dann wird mein Leben nicht gegen die Wand fahren. Es ist zu billig, ihm die Schuld zuzuschreiben, wenn ich meine Entscheidungen ohne ihn getroffen habe!

„Es tut mir Leid!“

Wenn du also das nächste Mal vor einem Scherbenhaufen sitzt, dann suche nicht schnell als Reaktion einen Schuldigen, sondern schau in den Spiegel und frage dich, was du beim nächsten Mal besser machen kannst. 

Und dann überwinde dich und bringe diese vier schwierigen Worte über die Lippen: „Es tut mir leid!“ Geht damit zu den Menschen, die unter deinem Bockmist leiden aber auch und erst Recht zu Gott. Denn nur dann wirst du frei, dich leiten zu lassen und wirklich neue Wege zu gehen.

Sei gesegnet!

Weitere Gedanken und einen Song zum Tag gibt es hier: – zum selbst Lesen oder Weiterleiten – https://juergens-gedanken.blogspot.com

Jürgen Ferrary für GottinBerlin.de