Im Freien Wäsche auf einer Wäscheleine

Charaktereigenschaften

Kaum ein Mensch ist stolz auf seine schlechte Charaktereigenschaften. Wenn ich in den Spiegel schaue, dann sehe ich da sofort die eine oder andere Marotte, hier einen Charakterfehler und dort etwas, das mich stört. Ich denke, ich bin nicht zu selbstkritisch und sehe immer nur das Schlechte an mir, aber mein Alltag zeigt mir regelmäßig meine Charakterschwächen auf. Ganz klar: Wenn wir Fehler an uns entdecken, dann würden wir sie gerne loswerden. 

Wenn ich Streit nicht aus dem Weg gehen konnte oder sogar forciert habe, wenn ich mich wieder einmal habe reizen lassen, wenn ich mich verletzt fühle, weil andere genau in die richtige “Kerbe” gehauen haben, wenn ich lieblos bin oder ungeduldig, wenn ein blöder Spruch über meine Lippen kommt oder ich Menschen in meinem Umfeld aus anderen Gründen verprelle, dann sehe ich eine ganze Reihe Baustellen, an denen ich arbeiten müsste. 

Aufforderung

Das sind dann Momente, in denen ich denke, dass es schön wäre, Jesus schon viel ähnlicher zu sein und weniger auf der Seele anderer herumzutrampeln. Die Bibel fordert uns auch deutlich dazu auf, Fehler, die wir erkennen, Marotten oder Gewohnheiten, die zu unserem alten Leben, zum alten Adam gehören, hinter uns zu lassen. Paulus schreibt an die Gemeinde in Ephesus:

“Ihr sollt euer altes Leben wie alte Kleider ablegen. Folgt nicht mehr euren Leidenschaften, die euch in die Irre führen und euch zerstören. Lasst euch in eurem Denken verändern und euch innerlich ganz neu ausrichten. Zieht das neue Leben an, wie ihr neue Kleider anzieht. Ihr seid nun zu neuen Menschen geworden, die Gott selbst nach seinem Bild geschaffen hat. Jeder soll erkennen, dass ihr jetzt zu Gott gehört und so lebt, wie es ihm gefällt.” (Epheser 4, 22 – 24 HfA) 

Wow, gut gebrüllt, Löwe! Seine Gewohnheiten, wie alte Klamotten auszuziehen wäre ja eine gute Sache, wenn es funktionieren würde. Aber es ist alles andere als leicht! 

Wir haben über Jahre versucht unseren Kindern beizubringen, das Licht im Badezimmer auszuschalten, wenn sie den Raum verlassen. Meine Frau Alexandra war phasenweise echt genervt, wenn sie den Flur langlief und Licht durch den Türrahmen der geschlossenen Badezimmer hat leuchten sehen. 

Gewohnheiten ablegen!?

Da wir sowieso gerade umbauen, habe ich also fürs Bad eine Lampe mit Bewegungsmelder gekauft. Die ist stromsparend, schaltet sich ein, wenn man den Raum betritt und dann auch wieder alleine aus, wenn man wieder aus dem Raum herausgeht. Wäre alles kinderleicht, wenn alle jetzt die Gewohnheit ablegen könnten, das Licht auszuschalten, wenn man aus dem Bad geht, denn die Lampe braucht etwa eine halbe Minute, bis sie nach dem Einschalten “geladen” ist.

Jetzt geschieht es sehr regelmäßig, dass man ganz dringend auf die Toilette muss, in den Raum stürmt und im Dunkeln sitzt, weil jemand den Schalter (der sich draußen neben der Tür befindet) betätigt hat. Auch, wenn ich das Licht schnell anschalte, sitze ich eine Weile im Dunkeln.

Die Macht der Gewohnheit – komisch, dass das mit dem Licht-Ausschalten jetzt auf einmal klappt, wo man den Schalter gar nicht mehr betätigen müsste.

Wenn das also mit so einem kleinen Lichtschalter schon so schwierig ist, seine Gewohnheiten zu ändern, wie schwierig ist es dann erst, wenn es um Charaktereigenschaften geht? Dennoch fordert Paulus uns auf, schlechte Dinge, wie alte Klamotten auszuziehen und sich gute Dinge, wie neue Klamotten anzuziehen.

Wir müssen lernen, geduldig zu sein

Was wir brauchen, ist, ganz viel vom Geist Gottes, denn eine Frucht vom Heiligen Geist ist Geduld. Wir müssen lernen, geduldig zu sein, weil es Bereiche im Leben gibt, in denen eine Veränderung nur langsam vorangeht. Und wir brauchen Durchhaltevermögen. Bei unserem Lichtschalter ist das recht einfach. Ich werde den Bewegungsmelder nicht ausbauen – also werden wir uns zwangsläufig daran gewöhnen, wenn wir nur oft genug im Dunkeln gesessen haben. 

Bei Charaktereigenschaften laufen wir Gefahr, Schlechtes einfach zu akzeptieren, weil es schwierig ist, sich zu ändern. Aber das sollten wir nicht tun. Paulus weist uns deutlich auf zwei Dinge hin, die Verheißung und Verantwortung zugleich sind: Gott hat uns zu neuen Menschen gemacht. Wir sind keine Sünder mehr, sondern Königskinder. 

Und das neue Leben sollte jeder auch erkennen können. Es ist wichtig, dass wir in dieses neue Leben hineinwachsen und wir so leben, wie es Gott gefällt. Also, wenn ich das nächste Mal im Dunkeln sitze, dann erinnere ich mich daran, dass mehr neue Angewohnheiten nötig sind, als den Lichtschalter nicht zu betätigen.

Wie könnte ein nächster Schritt aussehen?

Sei gesegnet!

Weitere Gedanken und einen Song zum Tag gibt es hier: – zum selbst Lesen oder Weiterleiten – https://juergens-gedanken.blogspot.com

Jürgen Ferrary für GottinBerlin.de