Biblische Frauenfigur

In der Berliner Morgenpost März 2018 wurde in der Filmkritik „Von wegen Sünderin: Maria Magdalena“ behauptet, diese biblische Frauenfigur sei über Jahrhunderte von Kirchenmännern diffamiert und stigmatisiert worden und in den Evangelien stände: „Frauen sind des Lebens nicht würdig.“ Das konnte Birgitta Lenz nicht so stehenlassen und schrieb folgenden Leserbrief:

 

Lebenswürdigkeit von Frauen

Ganz offensichtlich hat sich bei der Recherche für diesen Beitrag über Maria Magdalena jemand die Mühe gemacht und in alten Texten gegraben. Diese belegen laut dem Artikel, dass in den Evangelien der Christen stände „Frauen sind des Lebens nicht würdig“. Ein provokanter Satz, sollte er wirklich zur Glaubenslehre gehören.

Widerspruch

Dieses Zitat ist aber nicht den anerkannten vier Evangelien entnommen, sondern sogenannten apokryphen Schriften, die von den Christen nicht in den Kanon der glaubwürdigen Texte aufgenommen wurde, weil sie als unzuverlässig eingestuft wurden. Es widerspricht der Botschaft Jesu, der ja gerade die damals oft geringgeschätzten Frauen als gleichwertig behandelte und damit für viele zum Skandal wurde. 

Füße waschen

Des Weiteren ist mir keine Bibelstelle bekannt, in der Jesus einer Sünderin die Füße wäscht. Zwar wäscht Jesus seinen Jüngern im Abendmahlssaal selber die Füße, doch ist in dem Vergleich mit Maria Magdalena wohl eher die Stelle aus dem Evangelium gemeint, in der eine Sünderin Jesus die Füße mit teurem Öl salbt. Dass Jesus diesen Liebesbeweis annimmt und sich dieser Sünderin erbarmend zuwendet, empörte viele.

Mit dem obengenannten Zitat ist diese Begebenheit jedoch unvereinbar. Schade, dass in dem Artikel solche irreführenden und falschen Zitate verarbeitet wurden, die die meisten Leser nicht als falsch erkennen werden.

Gerade in einer Zeit, in der selbst viele Christen die Bibel nicht so genau kennen, stiften solche journalistischen Fehler im Artikel unnötige Verwirrung, wenn nicht sogar Empörung über den Glauben der Christen und tragen dazu bei, Ressentiments gegenüber den Christen zu vertiefen.

Birgitta Lenz für GottinBerlin