Pharao aus Wüstensand

Zukünftiger Held?!

Wie musste sich Mose wohl gefühlt haben? Er wusste, er war kein guter Mensch. Er hatte einen anderen Menschen getötet. Sein Leben war völlig aus den Fugen geraten, hatte er doch gerade herausgefunden, dass er nicht der Prinzen-Sohn war, sondern zum Volk der Versklavten gehörte. Und genau jetzt tauchte der Gott seiner Vorväter auf und begegnete ihm. 

Und nicht nur, dass der plötzlich in seinem eh schon völlig chaotischen Zustand in seinem Leben auftaucht, nein, der Gott, den er bis eben noch gar nicht kannte, erklärt ihm, dass er ein Auserwählter sei, ein zukünftiger Held, ein Befreier. 
 

Wer bin ich?

Wie musste sich Mose gefühlt haben, als sein Leben vor seinem inneren Auge an ihm vorbeizog? Da war das Leben im Palast – nun wusste er, dass der, den er bisher Vater genannt hatte, ein Unterdrücker und Kindermörder war. Da war die Frau, von der er dachte, sie sei seine Mutter gewesen, ihm aber nie geoffenbart hatte, dass er ein Findelkind war. 
 
Da war sein Bruder, mit dem er aufgewachsen war, der jetzt plötzlich, selbst der Herrscher des Landes, sein Gegner werden sollte. Und da war sein eigenes Leben, sein zerrissenes Herz, das Mitleid, das er mit seinem Volk spürte und das ihn dazu gebracht hatte, einen Ägypter zu töten.
 
Und gerade er sollte einen Auftrag von Gott bekommen? Gerade er sollte das Volk aus der Hand des Pharaos, seines vermeintlichen Bruders, befreien? Kein Wunder, dass sich Mose versucht, zu drücken: “Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehen und die Israeliten aus Ägypten führen soll?” (2. Mose 3, 11 HfA).
 
Wer bin ich denn schon? Ein Gedanke, den viele Menschen haben, wenn sie Aufgaben und Berufungen gegenüber stehen. Ich bin doch zu schlecht, zu klein, zu unbegabt nicht fromm genug. Ich habe keine gute Vergangenheit hinter mir, fühle mich zu schwach und überhaupt habe ich keine Zeit für so etwas. 
 

Gottes Wahl

Dennoch wählt Gott gerade Mose aus. Dennoch wählt Gott gerade dich aus. Gott macht keine Fehler. Und Gott kennt uns ganz genau. Und wenn er zu einem Menschen spricht, dann tut er das nicht, weil er gerade niemanden anderes hat oder weil der ihm gerade durch Zufall über den Weg läuft.
 
Ganz nach dem Motto: “Junger Mann, gut, dass Sie gerade vorbeikommen. Könnten Sie mich bitte kurz über die Straße bringen?”
 
Gott stört es auch nicht, wenn ein Mensch eine schlimme Vergangenheit hatte. Er ignoriert sie nicht, er möchte sie heilen. Auch, wenn du keine “Leichen im Keller” hast (haben wir die nicht alle?), dann ignoriert Gott dennoch nicht deine Vergangenheit.
 
Und wenn Gott einen Mann wie Mose für seinen Plan auf dieser Erde nutzen kann, entwurzelt, ohne wirkliche Identität, auf der Flucht und dann noch mit einem Mord auf dem Gewissen – wie sehr kann er dann dich und mich gebrauchen, die wir wahrscheinlich objektiv betrachtet ein ganzes Stück besser dastehen. 
 
Nein, Gott macht keine Fehler – und Gott ruft und beruft uns, dich und mich. Die Frage ist, ob wir uns rufen lassen oder ob wir auch fragen: “Wer bin ich denn schon?” Die Antwort weiß nicht allein der Wind (wie es in einem berühmten Lied heißt), sondern ist in deinem Herzen zu finden. 
 
Sei gesegnet!

Weitere Gedanken und einen Song zum Tag gibt es hier: – zum selbst Lesen oder Weiterleiten https://juergens-gedanken.blogspot.com

Jürgen Ferrary für GottinBerlin.de