Maria - Mutter von Jesus

Besserwisser

In einer sechsten Klasse spiele ich zum Abschluss einer Stunde das Spiel 1, 2 oder 3. Ich stelle eine Frage, die Kinder müssen sich zwischen drei Antworten entscheiden. Eine Frage lautet: „In der Adventszeit bereiten wir uns vor, erstens, auf die Ankunft von Jesus (Weihnachten), zweitens, die Kreuzigung von Jesus oder drittens die Ankunft vom Weihnachtsmann“. Eigentlich eine sehr einfache Frage, ein Schüler aber erstaunt mich dann doch.

Fast alle Kinder entscheiden sich für Nummer eins. Nur ein Kind tippt auf Nummer zwei. Ich löse auf – und sofort geht die Hand nach oben: „Herr Ferrarÿ, ich habe da einen Einwand“, sagt der Schüler, „ohne die Kreuzigung bräuchten wir Weihnachten gar nicht zu feiern!“

Erst denke ich mir: „Was für ein Besserwisser …“ Aber dann muss ich einsehen, dass der Gedanke eigentlich gut ist. Was wäre Weihnachten ohne Ostern, die Krippe ohne das Kreuz? Es wäre ein Gedenktag, an dem ein weiterer Religionsstifter geboren worden wäre.

Die Welt retten

Jesus wollte aber keine Religion gründen, er wollte die Welt retten. Und genau deswegen ist diese Adventszeit für uns Christen eigentlich eine so schöne und auch eigentlich eine so wichtige Zeit. Denn sie erinnert uns daran, dass Weihnachten eben mehr ist, als gebrannte Mandeln und Glühwein, Weihnachtsbaum und Atmosphäre.

Ich liebe die Festtage zu Weihnachten. Ich liebe auch Weihnachtsmärkte und selbst das Shoppen der Geschenke hat irgendwie etwas. Ich liebe aber auch, mit der Familie zusammenzusitzen, gemeinsam eine Andacht oder auch eine weihnachtliche Geschichte zu lesen. Ich liebe den Heiligen Abend mit Kirchgang, gemeinsamem Essen und Bescherung.

Noch wichtiger ist es aber, sich daran zu erinnern, warum wir eigentlich Weihnachten feiern. Jedes Jahr macht es mich ein ganzes Stück traurig – um nur ein Beispiel zu nennen – dass es einen Weihnachtsmarkt rund um die Gedächtniskirche auf dem Breitscheidplatz gibt, auf dem man schlemmen kann und konsumieren, auf dem T-Shirts mit Totenköpfen ebenso verkauft werden, wie Buddha-Figuren (Fröhliche Weihnacht überall …) – die Kirche aber neben einer offenen Tür eigentlich wenig zu bieten hat.

Unbezahlbares Geschenk

Wäre das nicht „die“ Chance, den Menschen zu sagen, dass sie nur deswegen mit einer Tasse Glühwein in der Hand von Stand zu Stand tingeln können, weil Gott sich entschieden hat, Mensch zu werden? Wäre es nicht gut, den Menschen wieder zu sagen, dass es möglich ist, waren Frieden zu finden, weil Jesus auf die Welt kam (Weihnachten) – und die Welt überwunden hat (Ostern)?

Und, dass dieser Segen, den Gott anbietet, andauern wird, bis in alle Ewigkeit, die wir mit dem himmlischen, liebenden Vater verbringen können, wenn wir ein Ja dazu finden? Das wäre doch ein Fest mit einer ganz anderen Qualität. Nichts gegen gebrannte Mandeln und unnötigem Schnickschnack, den wir zu überhöhten Preisen auf Weihnachtsmärkten so gerne kaufen.

Wer aber Jesus wieder ins Zentrum des Festes rückt, erhält ein Geschenk, das mit Geld nicht zu bezahlen ist. „Christ, der Retter ist da … Christ, der Retter ist da!“

Fest voller Freude

Lasst uns diese Adventszeit nutzen, um uns selbst vorzubereiten auf Weihnachten – gerne auch auf Tannenbaum und Gänsebraten – aber noch viel mehr auf das Kommen unseres Herrn. Wir können heute nachlesen, was damals geschah, nicht so, wie der überrumpelte Josef, dem ein Engel erst einmal erklären musste: „Sie (Maria, deine verlobte) wird einen Sohn zur Welt bringen, den sollst du Jesus nennen (›Der Herr rettet‹). Denn er wird die Menschen seines Volkes von ihren Sünden befreien“ (Matthäus 1, 21 HfA).

Lasst uns wieder in den Fokus rücken, warum Weihnachten ein Fest voller Freude ist: Weil der Retter der Welt Jesus Christus auf diese Erde kam, um uns zu erlösen und mit Gott zu versöhnen – und, weil er versprochen hat, dass er einst in Herrlichkeit wiederkommen wird, um alles neu zu machen.

Der Junge aus der sechsten Klasse hatte eben doch recht …

Sei gesegnet!

 

Weitere Gedanken und einen Song zum Tag gibt es hier: – zum selbst Lesen oder Weiterleiten https://juergens-gedanken.blogspot.com

Jürgen Ferrary für GottinBerlin.de