rote Leuchtreklame - Game over

Greg war der “Greeter”

Greg war der “Greeter” der Gemeinde, in der ich arbeitete. Er stand immer vor der Tür der Kirche und grüßte die ankommenden Besucher – bei jedem Wetter, Sommer wie Winter. Er schüttelte jede Hand, hatte immer ein freundliches Wort, fragte jeden neuen Gast nach seinem Namen und gab jedem das Gefühl: “Willkommen zu Hause!”

Dabei hatte er es selbst alles andere als leicht in seinem Leben, musste viele Rückschläge wegstecken, war oft selbst gefallen und war wieder aufgestanden. Aber all das zählte nicht. Sonntag war der Tag seines Herrn und den erlebte Greg in seinem Alltag. Das machte ihn fröhlich, und diese Freude gab er  Sonntag für Sonntag an die Menschen weiter.

Unheilbar

Nun saß ich vor seinem Bett im Krankenhaus. Nachdem er sich eine ganze Weile lang matt und abgeschlagen gefühlt hatte, untersuchten ihn die Ärzte und mussten feststellen, dass er unheilbar und weit fortgeschritten an Krebs erkrankt war.

Vor vier Wochen war er noch der lebensbejahende, Freude ausstrahlende Mann, heute ein Kranker, dem Tode näher, als dem Leben. “Ich dachte, ich hätte noch eine Aufgabe hier auf der Erde”, sagte er und lächelte mich an, “aber es scheint, als würde mich Gott ziemlich bald nach Hause holen.”

Ja, so sieht es aus. Die Ärzte halten sich bedeckt, aber es werden wohl eher Wochen, als Monate sein – wenn überhaupt. Wie muss sich ein Mann fühlen, der nichts ahnend solch eine Botschaft in sein Leben geschleudert bekommt, wie ein Schlag in die Magengrube: “Es tut mir leid, ihnen das sagen zu müssen, aber Sie haben unheilbaren Krebs und werden sehr bald sterben … “

Sterben ein Gewinn?

Ich traue mich nicht so recht, Greg danach zu fragen. Aber in mir brodelt es. Wie würde ich reagieren, wenn man mir eröffnen würde, ich hätte nur noch kurz zu leben? Wie kann ein Mensch solch eine Nachricht aushalten?

Ich frage Greg: “Hast du Angst vor dem Sterben?” Wieder lächelt er sanft und sagt: “Weißt du, Jürgen, der alte Paulus hat es einmal gut ausgedrückt, als er sagte: »Christus ist mein Leben und das Sterben für mich nur Gewinn«” (Philipper 1, 21 HfA).

Mir bleibt die Sprache weg. Da liegt vor mir ein Mann, Mitte 60, todkrank und sagt mir, das Sterben sei nicht schlimm, sondern ein Gewinn. Wenn man der Bibel glaubt, dann ist dem auch so, denn, auch wenn das Leben wunderschön ist, so verspricht Jesus denen, die mit ihm gehen, dass sie nicht ins Nichts sterben.

“Das Beste kommt doch noch …”, sagt Greg. Er hat recht. Mit dem Tod ist eben nicht alles aus, sondern, es wartet auf uns eine Ewigkeit bei Gott, wenn wir uns zu Lebzeiten dafür entschieden haben. Es wartet eine Ewigkeit ohne Trauer, ohne Krankheiten, ohne Streit, das, was Menschen Himmel nennen.

Starker Glauben

Aber, wenn jemand, der dem Tod so ins Gesicht schaut, voller Glauben sagt, dass deswegen sein Sterben ein Gewinn für ihn ist, weil er weiß, dass er bald zu Hause bei Jesus ist, dann ist das noch etwas anderes, als wenn ich das in der Bibel lese.

Das ist ein Glaube, der mich fasziniert. Das ist ein Glaube, der trägt. Das ist ein Glaube, der nicht ahnt und hofft, sondern weiß und erwartet.

Ich habe Tränen in den Augen, als ich lange mit Greg bete und mich dann von ihm verabschiede. Ich werde wiederkommen, sobald es geht. Ob er dann noch hier ist oder schon eingeschlafen ist, weiß ich nicht. Aber ich weiß, selbst, wenn er seine Augen dann hier auf Erden schon für immer geschlossen hat, er wird ewig leben. Und das tröstet und ermutigt.

Sei gesegnet!

Weitere Gedanken und einen Song zum Tag gibt es hier: – zum selbst Lesen oder Weiterleiten https://juergens-gedanken.blogspot.com

Jürgen Ferrary für GottinBerlin.de