3 lachende Mädchen

Andere Meinung

Gestern war wieder einer dieser Tage und vorgestern auch – eigentlich passiert das jetzt fast jeden Tag – ich bekomme eine Nachricht auf Facebook oder über WhatsApp oder Telegram, in der mich andere Menschen über “wahre Hintergründe” aufklären wollen. Meist geht es – man ahnt es schon – um das Thema Corona und die Maßnahmen, die die Pandemie eindämmen sollen. Oft antworte ich nur noch mit: “Danke für die Informationen!”

Warum? Weil meine Erfahrung lehrt, dass ich ansonsten mit einem Schall von Zitaten, “Belegen”, Video-Links, Internet-Artikeln, Zeitungsberichten und vielem mehr regelrecht zugeballert werde. Eine andere Meinung zu haben, ist heute bei bestimmten Themen bereits eine Kampfansage. 

Oft habe ich dabei den Satz gehört: “Ich will dich ja gar nicht von meiner Meinung überzeugen, aber … schau dir diesen Artikel noch mal an … denk doch mal über diese Fakten nach … es kann doch aber nicht sein, dass …” Natürlich habe ich nur einen kleinen Teil als Spiegel der Gesellschaft, die hier meine “Gesprächspartner” sind, aber mein Eindruck ist, dass die Zahl derer, die mit ihrer Meinung aus der Deckung kommen größer und die “Argumentation” vehementer wird. 

Wenn ich dann sehe, in welcher Geschwindigkeit mir Argumente (mit den entsprechenden Schlagwörtern und “Belegen”) entgegen prasseln, dann bin ich oft erstaunt, wie gut sich Menschen anscheinend auf solche “Diskussionen” vorbereiten. Die “Argumente” liegen anscheinend auf der einen Seite, betreffende Links auf der anderen und warten nur darauf, abgerufen zu werden. 

Und wehe, ich erlaube mir, “Argumente” und “Fakten”, die meine Sicht zu belegen scheinen, in den Ring zu werfen, dann nimmt die Sache schnell an Fahrt auf. Leider wird der Ton dann auch oft rauer und die vermeintliche Sachebene verlassen. “Aber du musst doch einsehen … du bist doch eigentlich auch jemand, der denken kann … das hätte ich von jemanden, wie dich, nicht erwartet, dass er so denkt …”

Und egal, was man als “Gegenargumente” nennt, man wird wieder von einer regelrechten Lawine überrollt, die einem schnell die Luft zum Atmen nimmt. Und ganz schlimm ist es, wenn man bemerkt, dass “Fakten” überholt, widerlegt oder falsch wiedergegeben sind. 

Überzeugungsarbeit

Und ich überlege mir dann manches Mal: Wenn wir Christen, deren Zahl in den letzten Jahren so geschrumpft ist in unserem Land, auch beim Thema Jesus aus der Deckung kommen würden und wenigstens etwas mehr “Überzeugungsarbeit” leisten würden, dann würden wir doch Jesu Auftrag, in die Welt zu gehen und Jünger zu machen, ein ganzes Stück gerechter werden. Sind die Menschen, die hier ihre Meinung so vehement vertreten, auch bereit, für Jesus aufzustehen?

Wenn es um den Glauben geht, dann habe ich den Eindruck, dass viele, die heute in die eine oder andere Richtung argumentieren, was Corona und die Maßnahmen zu Eindämmung der Pandemie angeht, eher unsichtbar sind. Wie oft habe ich in den Jahren, in denen ich Christ bin, das Argument gehört: “Ich kann anderen doch nicht vom Glauben erzählen. Ich hab doch viel zu wenig Ahnung!”

Schade, dass auch wir Christen bei manchen Themen viel zu sagen haben, aber beim Thema Glauben viel zu oft schweigen. Im 1. Petrusbrief 3, 15 (HfA) ist zu lesen: “Seid immer bereit, Rede und Antwort zu stehen, wenn euch andere nach der Hoffnung fragen, die euch erfüllt.”

Ein Satz, drei wichtige Punkte: 

Seid immer bereit – wie gut täte es uns, darüber nachzudenken, was wir eigentlich zu sagen haben, wenn andere Menschen sich für den Glauben interessieren. Würden wir es schaffen, die Botschaft des Evangeliums in wenige Worte zu fassen – und dann auch noch so, dass andere bereit sind, uns zuzuhören?

Rede und Antwort – Wie sieht es aus, wenn andere uns Fragen stellen, die über unser persönliches Erleben hinausgehen, Fragen des Glaubens, die wirklich “ans Eingemachte” gehen. Und bin ich eigentlich bereit, auch Zeugnis über mein eigenes Leben und meinen eigenen Glauben zu geben?

Die Hoffnung, die uns erfüllt – Es hat den Anschein, als ob mehr und mehr Menschen von der Corona-Pandemie entnervt sind und die Hoffnung verlieren. Wie wichtig wäre es, gerade in dieser anstrengenden Zeit Hoffnung zu säen. Die Frage ist: Sind wir eigentlich mit der Hoffnung Gottes erfüllt? Wenn ja, warum fällt uns Christen es dann oft so schwer, davon abzugeben.

Also ist meine Einladung, das Pferd von hinten aufzuzäumen. Wir sollten darum beten, dass Gott uns mit seiner Hoffnung, seiner Liebe, seiner Vollmacht – mit seinem Geist – erfüllt, denn dann fällt es uns leichter, Rede und Antwort zu stehen und immer bereit zu sein.

Gebet:

Himmlischer Vater, in dieser Zeit, in der viele die Hoffnung verlieren, ist es wichtiger denn je, dass wir deine Hoffnung in uns haben, dass wir Licht sein können in dieser Zeit, die viele als dunkel empfinden. Ich bitte dich, dass du mich erfüllst mit deiner Liebe und deiner Hoffnung und mit deiner Vollmacht, damit ich Licht ins Dunkel bringen kann. Bitte bereite du mich vor auf Begegnungen und Gespräche und leite du mich dann, dass ich Worte des Lebens finde, wenn ich bereit bin, Rede und Antwort zu geben und nicht als “ein weiterer Spinner” dastehe. Lass mich ein Zeuge deiner Liebe für diese Welt sein. AMEN

Sei gesegnet!

Weitere Gedanken und einen Song zum Tag gibt es hier: – zum selbst Lesen oder Weiterleiten – https://juergens-gedanken.blogspot.com

Jürgen Ferrary für GottinBerlin.de