Mann mit schwarzen Kaputzen Pulli lehnt gegen eine  Mauer

Segnet die Menschen, die euch etwas Böses tun

Mit 18 Jahren wollte ich mich unbedingt konfirmieren lassen, obwohl ich aus heutiger Sicht sagen muss, dass ich damals Jesus nicht kannte. Aber irgendwie hatte ich den Wunsch auf dem Herzen. Bei der Vorbereitung gab mir der Pfarrer damals eine Liste von Sprüchen aus der Bibel, die sich als Konfirmationsspruch “eignen” würden. Meine Wahl fiel damals auf Lukas 6, 27-28 (HfA): “Liebt eure Feinde und tut denen Gutes, die euch hassen. Bittet Gott um seinen Segen für die Menschen, die euch Böses tun, und betet für alle, die euch beleidigen.”

Ich kann mich noch daran erinnern, wie mich der eigentlich sehr herzliche Pfarrer fast schon streng anschaute und meinte: “Das ist eine große Verantwortung, die du da für dein Leben übernimmst, wenn du den Spruch ernst nimmst!” Er sollte recht behalten.

Irgendwann musste ich mich mit meiner Vergangenheit auseinandersetzen, mit Gewalterfahrungen und Vernachlässigung durch meine Mutter. Es war ein harter, wenn auch befreiender Weg, ihr zu vergeben und sie zu segnen. Sie hat zwar bis zu ihrem Tod alles, was mit Glauben zu tun hat, abgelehnt und damit auch nicht verstanden, was das sollte. Aber ich habe gemerkt, wie in meinem Herzen etwas passierte. Sie wollte mir nichts Böses tun.

Mauer aufbauen

Dort, wo vorher Verletzungen und schlimme Gefühle waren, wurde es so nach und nach leicht. Negative Gefühle wurden durch die Liebe Gottes ersetzt, sodass ich heute, wenn ich auf meine Kindheit schaue, keinen Groll mehr hege, sondern sogar das eine oder andere Gute entdecke. Meine Mutter war keine böse Frau, eher eine tragische Gestalt, die es nie schaffte, ihre eigene Prägung hinter sich zu lassen und über viele Jahre unter der Macht des Alkohols stand. 

Immer und immer wieder wurde ich in meinem Leben an meinen Spruch zur Konfirmation erinnert, wenn ich unter einem ungerechten Chef arbeiten musste, wenn man mich angriff, verleumdete oder hinter meinem Rücken redete. Natürlich gelang es mir bei weitem nicht immer, mich nicht aufzuregen. Aber ich musste erkennen, dass mich alles Ärgern nur selbst mürbe machte. 

Wenn ich ablehne und hasse, mich abwende und Mauern aufbaue, dann schade ich in erster Linie meinem Herzen, nicht dem anderen, der mir Böses tut.

Beten für die, die mir das Leben schwer machen

Und gerade gestern wurde ich wieder an meinen Spruch erinnert. In unserer Gemeinde wurde eingebrochen. Für den digitalen Gottesdienst dringend benötigtes Equipment wurde ebenso gestohlen, wie Geld aus Handkassen. So etwas macht mich wütend. Haben Einbrecher noch nicht einmal Respekt vor einer Kirche?

Und dann sehe ich die Video-Botschaft des Pastors, der sofort sagt: “Lasst uns für die Leute beten, die bei uns eingebrochen sind!” Wie Recht er doch hat. Diese Menschen haben das Gebet bitter nötig. Wenn ich sauer auf sie bin, ändere ich gar nichts, außer dass ich negative Gefühle in mein Herz lasse. Wenn wir sie segnen und für sie beten, bekommt die Gemeinde wahrscheinlich auch nicht ihre Kameras zurück – aber wer weiß, was diesen Menschen noch begegnet im Leben. Vielleicht ist es unser Gebet, das sie zur Umkehr antreibt! Wir werden es vielleicht erst später erfahren, wenn wir einst bei Jesus sind.

Vielleicht öffnet Gott neue Türen und segnet die Gemeinde, sodass es im Nachhinein keinen Schaden gibt (aber der Verlust von ein wenig Geld). Ja, mein Spruch zur Konfirmation bedeutet eine große Verantwortung in meinem Leben. Aber er gilt nicht nur mir, denn Jesus hat mit ihm alle gemeint, die seine Freunde sind. 

Ich möchte das vermehrt tun (und es gelingt auch immer besser) – beten für die, die mir das Leben schwermachen, segnen, die mich ablehnen oder mir Böses tun, vergeben, wo ich verletzt werde. Denn wenn ich solches tue, dann berührt der Himmel die Erde ein Stück, mitten in meinem Herzen. Und mit einem freuen, liebenden Herz lebt es sich viel leichter, als mit einem Herzen voller Groll und Verletzungen.

Sei gesegnet!

Solltest du es auf dem Herzen haben, die Gemeinde in dieser Situation zu unterstützen (zum Beispiel, weil du selbst den Stream schaust, Equipment herumliegen hast, dein Herz sagt, es wäre gut, ein Opfer an die Leute zu zahlen), so kannst du dich gerne bei thomas.schuetze (at) icf-berlin.de melden! Aber bitte nur, wenn dein Herz dir das so sagt, bitte fühl dich nicht von meiner Andacht irgendwie gedrängt! DANKE!

Weitere Gedanken und einen Song zum Tag gibt es hier: – zum selbst Lesen oder Weiterleiten – https://juergens-gedanken.blogspot.com

Jürgen Ferrary für GottinBerlin.de