Sonnenuntergang durchs Fernglas sehen

Das alte Haus

Das alte Haus ist von 1936 und steht etwas außerhalb von Berlin. Meine Frau Alexandra und ich warten hier, weil eine Familie überlegt hierherzuziehen und sich deswegen zu einer Begehung verabredet hat. Drei Generationen wollen zukünftig die zwei Etagen bewohnen. Eine schöne Vision.

Das Haus ist im Moment leer. Es stehen keine Möbel herum. Bis auf Küche und Bad deutet nichts daraufhin, welches Zimmer einst welche Bestimmung hatte. Als die Familie eintritt, wird sofort geträumt und philosophiert. Es entstehen Visionen. Hier könnten Oma und Opa ihre Couch hinstellen. Das hier wird das Zimmer für die kleine Tochter und hier könnte der Esstisch stehen.

Man sieht fast die Funken der Fantasie sprühen – und, je länger die Hausbegehung dauert, desto mehr Visionen werden entwickelt. Man könnte von der Garage eine Tür hin zum Schuppen bauen und dort das Werkzeug lagern. Hier könnte man ein Hochbeet im Garten anlegen und dort wünscht sich Oma einen Liegestuhl.

Für ein leeres Haus ist es einfacher, Visionen für die Zukunft zu spinnen, als wenn alle Zimmer schon mit Möbeln voll gestellt sind. Das schränkt die Fantasie ein.

Visionen entwickeln

Leider betrifft das nicht nur Häuser, sondern auch unsere Leben. Wie gut täte es uns, wenn wir unser Leben – ganz gleich, ob wir jung oder alt sind – wie ein leeres Haus betrachten und wieder Visionen entwickeln würden. Was uns bei einem leeren, alten Haus nicht schwerfällt, erscheint so manchem in seinem vollen Leben als unmöglich.

Einflüsse

Unser Leben ist oft so, als stünde bei einer Hausbegehung ein Innenarchitekt neben uns, der uns genau sagt, was wo und wie zu sein hat. Werbung, bunte Bildchen, der Druck der Gesellschaft und viele andere Einflüsse hämmern uns ein, wie wir unser Leben gestalten sollten und wie wir gefälligst glücklich werden sollen.

Lebenspfad

Kaum eigener Gestaltungsspielraum regt uns dazu an, der Fantasie freien Lauf zu lassen. Oder aber unsre Lebenspfade sind schon so ausgetreten, dass wir es uns nicht mehr vorstellen können, neue, andere Visionen für unser Leben zu entwickeln. Wie gut würde es uns tun, wenn wir quasi mal wieder in ein leeres Haus schauen und träumen würden, was alles in unserem Leben möglich wäre.

Fantasie

Der weise Salomo sagt: “Ohne Vision wird ein Volk zügellos. Wie glücklich ist ein Volk, das auf Gottes Gesetz hört!” (Sprüche 29, 18 GNB). Als ich das Strahlen in den Augen der Familie gestern gesehen habe, ihre Freude, ihre Energie, als ich erlebte, wie es aus allen an den verschiedensten Ecken von Haus und Garten nur so heraussprudelte, dachte ich mir: So viel Freude, wegen eines Hauses. Wie viel mehr Freude würde das unserem Leben bringen, wenn wir unsere Fantasie so für unser eigenes Leben einsetzen würden.

Ich weiß nicht, ob diese Familie in das Haus einzieht. Ich weiß auch nicht, ob sie alle Ideen und Visionen umsetzen werden, wenn sie einziehen. Aber ich weiß, sie hatten einen sehr kreativen und glückserfüllten Tag gestern.

Sehnsüchte

Und den hatte ich damit auch, denn von dieser Energie habe ich ein Stück mitgenommen. So, wie die Familie gestern mit uns über ihre Zukunft, ihre Wünsche und Pläne gesprochen hat, so spreche ich mit Gott darüber, was ich mir so alles erträume. Ich weiß, meine innersten Sehnsüchte sind bei ihm gut aufgehoben – und er wird mir helfen und mich mit großartigen Visionen beschenken.

Visionen fürs Leben

Wie sieht das bei dir aus? Hast du (noch) Visionen für dein Leben? Wenn nicht, dann sprich mit Gott darüber, damit er dir hilft, ausgetretene Pfade zu verlassen. Wie ich schon das eine oder andere Mal geschrieben habe: Heute ist der erste Tag deiner Zukunft, geh durch die einzelnen “Zimmer” und fang an zu träumen.

Sei gesegnet!

Weitere Gedanken und einen Song zum Tag gibt es hier: – zum selbst Lesen oder Weiterleiten – https://juergens-gedanken.blogspot.com

Jürgen Ferrary für GottinBerlin.de