Auto-Freak

Eigentlich bin ich kein “typischer Deutscher”, denn das Auto ist nicht mein liebstes Kind. Eigentlich fahre ich auch gar nicht mehr gerne. Ich fahre mit dem Auto, wenn es sein muss. Ich fahre in den Urlaub oder im Alltag, wenn der Weg zu lang oder die Zeit zu kurz für andere Lösungen ist. Aber ich bin kein Auto-Freak – schon lange nicht mehr.
 

Was nervt mich beim Autofahren?

Was mich am Autofahren besonders nervt, ist, dass alle anderen auf der Straße natürlich “nicht so gut” fahren wie ich. Das geht wohl den meisten Autofahrern so. Was mich noch mehr nervt, ist, wenn neben mir ein Beifahrer sitzt, der (oder die!) ständig Kommentare abgibt: “Jetzt hätte ich aber langsam in den nächsten Gang geschaltet!” Oder: “Also, wenn du jetzt rechts abgebogen wärst, dann wäre es viel schneller gegangen – ich fahre nämlich immer so.” Oder: “Das ist aber ganz schön gefährlich, wie dicht du immer auffährst!”
 

Das macht mich wahnsinnig. Ich bin der Fahrer. Und der Mensch neben mir ist immerhin nur der Beifahrer. Besonders, wenn es sich um Fahranfänger handelt, die mir gut gemeinte Tipps geben, dann bete ich innerlich immer ganz intensiv um Geduld.

Als Fahrer möchte ich bestimmen, wie ich fahre, wo und wohin ich fahre, welche Musik im Auto läuft und wann es auf die Tankstelle geht. Ein Beifahrer kann gerne nach dem Weg schauen, wenn ich nicht weiter weiß, oder das Navi programmieren. Er darf nach der gesuchten Hausnummer Ausschau halten oder nach Blitzern auf der Autobahn. Der Boss im Auto – das bin ich.

Alltägliches Leben

In meinem alltäglichen Leben ist es ähnlich – leider. Ich singe am Sonntag Lieder, in denen ich sage, Jesus wäre der Herr meines Lebens. Spätestens am Montag dann sitze ich aber wieder hinter dem Steuer und lasse Jesus maximal mein Beifahrer sein. Er darf mir den Weg heraussuchen, aber bitte nur, wenn ich ihn darum bitte oder ich mich verfahren habe. Gute Tipps brauche ich dann in einer kleinen homöopathischen Dosis, mehr nervt eigentlich.

Nur, wenn ich die Kiste wieder einmal in den Dreck gefahren habe, dann mache ich ihn, den Beifahrer Jesus, gerne zum Sündenbock: “Wie konntest du das zulassen? Warum hast du nicht eingegriffen? Wo warst du eigentlich?”

Notnagel

Jesus möchte aber nicht ein Beifahrer sein, der maximal ein Helfershelfer ist – oder Notnagel – oder Sündenbock. Das erste bekannte Glaubensbekenntnis lautete “kyrios jesus” – Jesus ist Herr. So schreibt Paulus: “Wir verkünden Christus Jesus, den Herrn” (2. Korinther 4,5).

Absolut bester Weg

Natürlich ist es nicht leicht, sich selbst auf den Beifahrersitz des Lebens zu setzen und zu sagen: “Bitte Jesus, übernimm du das Steuer!” Und wahrscheinlich werde ich dann auch ein sehr nerviger Beifahrer sein, der Jesus ständig in seinen Fahrstil, die Route und so weiter hineinredet. Aber schlau wäre es schon, ihn hinters Steuer zu lassen, denn im Gegensatz zu mir kennt Jesus den Weg – und zwar den für mich absolut besten, er verfährt sich nicht, weiß, wann ich tanken muss und bringt mich auf die für mich beste, aufregendste, schönste, sicherste, erfüllendste Weise ans Ziel.

Ruder übergeben

Mein Next-Step ist, dass ich bewusst schauen möchte: Wo gibt es Bereiche in meinem Leben, in denen Jesus eher der Statist oder Beifahrer ist – und was hindert mich eigentlich daran, ihm auch hier das Ruder zu übergeben? Und dann möchte ich Stück für Stück, ein Schritt nach dem nächsten die Kontrolle, die Entscheidungsgewalt an ihn abgeben und schauen, was passiert.

Entspannt

Heute ist der erste Tag, an dem ich mich “mehr entspannt zurücklehnen” möchte, weil jemand anderes fährt. Kyrios Jesus – Jesus, du bist der Master – nicht ich. Großartig! Sei gesegnet!

Weitere Gedanken und einen Song zum Tag gibt es hier: – zum selbst Lesen oder Weiterleiten – https://juergens-gedanken.blogspot.com

Jürgen Ferrary für GottinBerlin.de