Livres_Religion

Ach Abraham, hättest du doch damals bloß nicht mit Hagar geschlafen! Was wäre der Welt erspart geblieben!
Sie wissen nicht, wovon ich rede? Von einer schönen Welt, wie wir sie hätten haben können. Nun, lassen Sie es mich Ihnen vom Anfang her darstellen. Ab dem 12. Kapitel der Genesis, dem 1. Buch Mose, wird uns von einem Mann namens Abram erzählt. Diesen Abram ruft Gott aus seinem Vaterland mit dem Versprechen, aus ihm viele Völker entstehen zu lassen. Er soll Nachkommen haben, wie er Sterne am Himmel sieht. Und das waren ziemlich viele. Abram lässt sich darauf ein und heißt ab jetzt Abraham d.h. Vater vieler Völker.
Von der menschlichen Logik her gibt es allerdings ein Problem: Sarai, seine Frau, deren Namen ebenfalls gewandelt wird in Sarah, was soviel wie Fürstin (nämlich der verheißenen Völker) heißt, ist unfruchtbar. Die beiden konnten keine Kinder kriegen und mittlerweile war Sarah über die Wechseljahre hinaus. Woher bitte soll der kommen, der die Erblinie weiterträgt?
Nun, über menschliche Logik hinweg hat Gott zu Abraham gesagt, dass er einen Sohn haben wird. Das hat Gott sogar mehrfach wiederholt. Einmal hat Sarah gelauscht und nach menschlicher Logik gelacht. Eine alte Frau bringt kein Kind zur Welt, basta. Und dem schien auch so. Die Jahre vergingen, die beiden wurden nicht jünger und… nix. Keine Schwangerschaft.
Da kam Sarah, wie mir scheint eine sehr logisch denkende Frau, auf die Idee, dem Ganzen etwas nachzuhelfen. Da war eine Magd, eine Leibeigene, die hieß Hagar. Sie war jung und gebärfähig und somit perfekt geeignet. Nun muss man wissen, dass es im Alten Orient die Sitte gab, wenn eine Leibeigene ein Kind auf dem Schoß ihrer Herrin gebar, dieses Kind als Kind der Herrin angesehen wurde. Hagar war sozusagen eine Leihmutter. Und so geschah es. Sarah überzeugte ihren Mann von der Idee, es fruchtete und es kam Ismael zur Welt. Damit schien die Frage der Nachkommenschaft geklärt.
Nur einer akzeptierte diese Lösung nicht: Gott. Er war der Meinung, Er sei der Regisseur und somit verläuft das Drehbuch nach Seiner Fassung. Und wenn Er etwas sagt, dann macht Er es auch; so Gott. Ismael sollte nicht der Träger der Verheißung sein, wie Gott sie ursprünglich meinte. Und doch war Er bereit, diese Änderungen in Sein Drehbuch einzubauen. Er versprach Hagar, dass ihr Sohn zu einem großen Volk würde.
Seit der Schwangerschaft Hagars wurden sich die Frauen spinnefeind. Zickenkrieg, würde man heute sagen. Und plötzlich war Sarah schwanger. Gegen jede Logik. Sie empfingen den versprochenen Sohn mit Namen Isaak. Nun, da der Erbe sichergestellt war, wollte Sarah ihre Seelenfeindin Hagar und deren Sohn Ismael loswerden. Denn dieser könnte ja später dem legitimen Erben gefährlich werden. Und so brachte sie es doch tatsächlich fertig, ihren ehrenwerten Gatten dazu breitzuschlagen, die Frau und das Kind buchstäblich in die Wüste zu schicken.
Spätestens hier beginnt das weltgeschichtliche Drama. Stellen wir uns kurz vor, die Frauen hätten sich versöhnt, die beiden Jungen wären miteinander aufgewachsen und vielleicht die besten Freunde geworden. Aber nein. Gott sagte Abraham, dass Er sich um sie kümmern würde und schon wurden Hagar und das Kind mit einem Minimum an Verpflegung ausgestoßen. Und sie waren auch schon am Verdursten, als Gott ihre Not sah und, wiederum gegen jede Logik, Wasser hervorquellen ließ.
Heute, viertausend Jahre später, haben wir den Salat. Gott erfüllte seine Versprechen. Aus Isaak wurden die Stämme Israels, das Judentum, aus dem das Christentum später hervorging. Aus Ismael wurden die arabischen Völker, aus denen Mohammed stammte und den Islam unter ihnen zur Staatsreligion werden ließ. Judentum und Christentum gehören unauflöslich zusammen. Jesus war Jude, lebte und lehrte jüdisch und verstand sich als den, der den jüdischen Glauben vollendete. Das Judentum hat ihn verstoßen, womit das Christentum, das seine Wurzeln im Judentum hat, sich verselbständigen musste.
Heute gelten Judentum, Christentum und Islam als die drei großen Weltreligionen. Natürlich sind da Religionen und Kulte, die in den Völkern, die sich nicht auf Abraham berufen, ebenfalls entstanden. Die religiöse Frage ist dem Menschen wesensmäßig eigen und alle Denker der Menschheitsgeschichte, die Religion als primitive Vorstufe zur autarken Mündigkeit des gereiften Menschentums verstehen wollten oder noch immer wollen, waren nicht nur in diesem Denken arrogant, sondern geistig derartig beschränkt, dass sie das Menschsein in seiner Eigentlichkeit nicht begriffen haben. Der Mensch ist ein Homo Religiosus, der über sich hinaus fragen muss, nicht nur darf; der sich begreifen muss als jemand, der nicht die letzte Wirklichkeit, sondern nur ein winziges Teil einer viel größeren Wirklichkeit ist.
Die Frage nach Gott, wie wir es nennen, ist nicht nur möglich, sondern zwingend. Nur die Antworten fallen unterschiedlich aus. Das hat im Lauf der Geschichte leider nicht zu einem fruchtbaren Trialog unter den Weltreligionen, sondern zu einem oft kriegerischen, um jeden Preis Recht haben wollen geführt. Heute nicht mehr so stark innerhalb der Isaaklinie; die Christen werden sich ihrer jüdischen Wurzel wieder mehr bewusst und die Juden erkennen in Jesus und sogar Paulus wieder den Juden, der aus der jüdischen Tradition heraus lebt und lehrt. Nur die Kluft zur ismaelitischen Linie scheint heute wieder größer zu werden denn je.
Also, mal ganz naiv gedacht. Hätte Abraham damals nicht mit Hagar herumgemacht, es hätte keinen Ismael gegeben. Oder Gott: Hätte er Hagar samt Sohn in der Wüste umkommen lassen, ein Flügel der Weltgeschichte hätte gar nicht stattgefunden. Ohne Ismael keine Araber. Ohne Araber keinen Mohammed. Ohne Mohammed keinen Islam.
Daraus würde dann folgen: Keine Terrorgefahr, keine Völker, die uns unser schönes Erdöl vorenthalten wollen. Wir müssten uns maximal mit dem Russen auseinandersetzen. So könnte man das ja verkürzt sehen. Nur, wer das wirklich so sehen möchte, ist an Dummheit wohl kaum noch zu überbieten. Und wenn wir die Geschichte, wie sie die Bibel uns überliefert, ernstnehmen, dann wird vor allem eins klar: Gott hat diese Geschichte so zugelassen, begleitet und gesegnet. Er hat Ismael zu einer großen Nation werden lassen. So, wie Er dem Isaak im Judentum bis heute die Treue hält. Er hat zugelassen, dass Sein Sohn, der Jude Jesus aus Nazareth, ans Kreuz geschlagen wurde. Und Er hat dieses Kreuz genutzt, um hier Gerechtigkeit im höchsten Unrecht geschehen zu lassen, um sich mit dieser von Ihm abgefallenen Menschheit zu versöhnen. Die Aufgabe der Religionen ist es, sich als die Nachkommen Abrahams an einen Tisch zu setzen und miteinander nach Dem zu fragen, der sie hervorgebracht hat: Gott.
Wir sollten und dürfen uns hier nicht in die Irre führen lassen. Die Probleme dieser Welt sind keine religiösen. Und die Feindschaften unter den Menschen haben ihren Ursprung nicht in der Erkenntnisfrage nach Gott, sondern sind pseudoreligiöser Natur. Es geht um den Mammon, den irdischen Gott des Geldes und überzogener menschlicher Ehr- und Machtsucht. Unter diesem Aspekt können wir die ganze uns bekannte Menschheitsgeschichte betrachten. Von Kaiser Konstantin über die Kreuzzüge bis in die heutige, wie mir scheint, immer perverser werdende Zeit. Wer sich religiös für Machtkriege einspannen lässt, ist derartig dumm, dass man dafür ein neues Wort erfinden müsste. Der Jude, der Muslim, der Christ, jeder fragt von Herzen aufrichtig nach Gott und Seiner Wahrheit. Das sollten sie weiter, aber gemeinsam, herkommend von Abraham tun. Wer sich von gottlosen, wirtschaftlichen und politischen Aasgeiern für deren selbstsüchtige Interessen einspannen lässt, beweist nur, dass er zu eigenständigem Denken nicht fähig ist.
Die Gebrochenheit in der Geschichte Abrahams ist exemplarisch für die Gebrochenheit der Menschheitsgeschichte überhaupt. Und doch, Gott stellt sich zu dieser Geschichte, begleitet Seinen Menschen durch Höhen und Tiefen und hat für ihn Gedanken des Heilens und des Friedens. Da, wo Frieden gestiftet, Menschen in Not geholfen und ihnen Würde gegeben wird, dort ist Gott am Werk. Und das ist letztlich auch die Grundaussage Gottes in allen abrahamitischen Religionen, dass Gott (arabisch Allah) sei der Allbarmherzige über alle Schöpfung.

Thomas Nachtigall für GottinBerlin.de

  1. 11. Oktober 2015

    Ich glaube, das “hätte” ist Geschichte und wir müssen mit dem jetzt und heute leben. Und da gibt es nun Juden, Christen und Muslime. Gott hat das zugelassen. Wir Christen müssen einfach sprachfähig werden. Wir dürfen unseren Gott vor den Menschen bezeugen und sollten das glaubhaft machen. Dafür müssen wir uns ausbilden lassen. Die Zeugen Jehovas machen es uns vor. Überlassen wir ihnen nicht das Feld. Gerade auch jetzt wo die vielen Flüchtlinge zu uns kommen. Darum, laßt uns von unserem Glauben erzählen und mit ihnen gemeinsam die Bibel lesen.

    • 18. Juni 2016

      , "On a Monday do you drag your feet and dread going to work? You are not alone because there are many others who find it hard to get into the mood to work on a Monday mo&rnignquot;. I hope more people discover your blog because you really know what you're talking about. Can't wait to read more from you!

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